Nr. 39/2018 vom 27.09.2018

5G und Herzschmerz

Von Susan Boos

Die Telekombranche schwärmt von 5G. 5G steht für «fünfte Generation». Heute nutzen wir 3G- oder 4G-Mobilfunknetze. Mit 3G dauert es fünf Stunden, um einen Spielfilm aufs Smartphone zu laden – mit 5G noch eine Sekunde. Die Swisscom plant in den nächsten Wochen, in Burgdorf ein erstes 5G-Netz aufzubauen. Es nistet sich also ein, während noch über Strahlungsgrenzwerte gestritten wird.

Bundesrätin Doris Leuthard hat vergangene Woche bekannt gegeben, es werde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, «die über den Bereich Mobilfunk und Strahlung diskutieren wird». Die Arbeitsgruppe steht aber schief in der Landschaft: Zurzeit wird nämlich bereits mit Hochdruck an der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) geschraubt. Man will die Grenzwerte erhöhen, weil sonst – sagt die Mobilfunkbranche – die 5G-Netze nicht funktionierten. Das Vorgehen irritiert Peter Kälin, Präsident der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU): «Wir bedauern sehr, dass die angekündigte Gründung der Arbeitsgruppe terminlich nicht mit der angekündigten NISV-Revision koordiniert ist.» Die sogenannte kleine NISV-Revision soll nämlich bereits im Frühling abgeschlossen sein. Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe werden aber frühestens im Sommer 2019 vorliegen.

Der Ständerat hat zwar bereits zwei Mal die Erhöhung der Grenzwerte abgelehnt. Die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrats macht inzwischen aber mit einem neuen Vorschlag Druck und will mit einem komplizierten Konstrukt die Grenzwerte aufweichen. Der Vorschlag der Kommission sei «eine Erhöhung der Anlagegrenzwerte durch die Hintertür», kritisiert Kälin.

Die AefU opponieren, weil diverse Studien belegen, dass Mobilfunkstrahlung Gesundheitsschäden verursacht. Kälin zitiert eine Studie, der zufolge Ratten bösartige Tumore am Herzen entwickelten, nachdem man sie ständig Mobilfunkstrahlung ausgesetzt hatte – Tumore derselben Art, wie sei bei VieltelefoniererInnen gefunden wurden. Kälin wünscht sich, dass vor dem Ausbau der Mobilfunknetze eine umfassende Infrastrukturplanung gemacht wird, um ein Netz zu bekommen, das gesundheitsverträglich, datensicher, energieeffizient und ressourcenschonend ist.

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