Nr. 39/2018 vom 27.09.2018

Zu intelligent für diese Welt

Von Franziska Meister

Im Science-Fiction-Film «Arrival» (2016) besuchen sie uns als hyperintelligente Wesen aus dem All – vor wenigen Monaten behaupteten 33 WissenschaftlerInnen in einer Fachzeitschrift, genau dies habe sich vor Jahrmillionen tatsächlich abgespielt. Wie anders ist sonst erklärbar, dass unter uns Erdlingen Kreaturen leben, deren Gehirn im ganzen Körper verteilt ist und wie ein internes Internet funktioniert?

Die Rede ist natürlich von Oktopoden, und seit vor drei Jahren das Genom der Kalifornischen Zweipunktkrake entschlüsselt worden ist, suchen ForscherInnen fieberhaft nach Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tintenfisch. Das treibt mitunter wunderliche Blüten. So hat ein Team der Johns Hopkins University in den USA entdeckt, dass just jene Genabschnitte zwischen Mensch und besagter Krake übereinstimmen, die für die Bindung des Neurotransmitters Serotonin, auch als «Glückshormon» bekannt, zuständig sind. Worauf sie flugs auf die Idee verfielen zu testen, ob sich das Verhalten von Oktopoden ähnlich wie jenes von Menschen durch Stimmungsdrogen beeinflussen liesse, die den Serotoninpegel im Hirn manipulieren.

Nun sind Oktopoden ja notorisch soziophobe Wesen, weshalb die Wahl auf die Partydroge MDMA fiel. Ein paar ausgewählte Tintenfische durften also ein «Molly»-Bad nehmen, bevor sie in einen Tank verlegt wurden, in dem sie wahlweise mit einer Gummipuppe aus dem «Star Wars»-Universum in der Kammer zu ihrer Linken oder mit einem fremden Oktopus in der rechten Kammer interagieren konnten. Und siehe da: Hatten sie ohne vorangegangenes «Molly»-Bad vor allem die Gummipuppen kurz betastet, so suchten sie jetzt extensiv mit allen acht Gliedmassen und sogar dem Mund physischen Kontakt zum andern Tintenfisch.

Da ging die Wissenschaftlerin in «Arrival» um einiges subtiler ans Werk – aber ihr Erkenntnisinteresse war ja auch sprach- und nicht triebgesteuert.

Punkto ethischer Bedenken sagte die Studienleiterin, den Tieren gehe es in den Labortanks besser als in jenen von Restaurants.

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