Nr. 39/2018 vom 27.09.2018

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Multitalentierte

Dass sich der YB-Stürmer Guillaume Hoarau abseits des Spielfelds auch als Musiker betätigt, wissen Berner Fussballfans. Durcheinander brachte es nur der «Bund»: «Guillaume Hoarau trifft nach der Pause die Laute.» Noch präziser wäre es gewesen, statt von der Pause vom Saitenwechsel zu sprechen.
Jürg Fischer

Unterirdische

Eine wundersame Buchstabenmutation begab sich auch in der Musikbeilage der letzten WOZ. Während es in einem der Artikel «Raus aus der Hölle und rein ins bunte Gucci-Leben» geheissen hatte, wurde in der Hervorhebung daraus: «Raus aus der Höhle und rein ins bunte Gucci-Leben». Verstehen Sie das bitte nicht als Versuch, unsere Inhalte weichspülen zu wollen; auch in einer Höhle kann es recht ungemütlich sein.
Jürg Fischer

Demonstrative

Dem «Tages-Anzeiger» entnehmen wir: «Wenn der Velofahrer im toten Winkel steht, hat dieser keine Chance.» Ein Winkeladvokat könnte hier Abhilfe schaffen, oder das nochmalige Durchlesen vor Drucklegung. Letzteres gilt erst recht für den folgenden Satz aus demselben Blatt: «Nebenan zupfen Teilnehmer eines internationalen Studentencamps immer wieder Unkraut aus den Steinritzen, darunter viele Japaner.» Wohlwollend gehen wir davon aus, dass es hier an der Umstellung fehlte und nicht an der Einstellung.
Jürg Fischer

Klimaveränderliche

Auch dies berichteten der «Tages-Anzeiger» und verschiedene andere Medien: «Seither hat sich Oslo für Tauwetter eingesetzt, hat etwa Abstand davon genommen, den Dalai Lama 2014 persönlich zu treffen.» Das kommt uns reichlich paradox vor, wäre doch Tauwetter eine gute Voraussetzung, den Dalai Lama in seinem ärmellosen Gewand nicht frieren zu lassen. Aber Oslo ist dann doch wieder nicht eine allzu empathische Person.
Jürg Fischer

Anlegende

Und noch ein «Tagi»-Satz: «Investoren kauften Nike-Aktien 300 Prozent häufiger, als sie welche verkauften.» Das Börsenleben ist uns nicht so recht vertraut, aber vom Mathematikunterricht meinen wir uns zu erinnern, dass hier statt der Prozenthuberei ein schlichter Faktor, nämlich drei, seinen Dienst auch getan hätte. Aber auch das hätte uns nicht dazu gebracht, unser Geld in Turnschuhe zu stecken.
Jürg Fischer

Professionelle

Die «NZZ am Sonntag» zitierte Milo Rau, den «Theatermann, der die grossen Gesten liebt, er halte es mit Che Guevara. Der sei Anwalt gewesen und auf seinen Reisen Marxist geworden (…).» Bei aller Verehrung für den Porträtierten – hier irrt er: Guevara hatte ein abgeschlossenes Medizinstudium, Anwalt der Unterdrückten war er nur metaphorisch. Die «grossen Gesten» wirken offenbar so überzeugend, dass das niemandem aufgefallen ist.
Karin Hoffsten

Lachappelle

Je nach Lesart findet sich im Nachnamen des designierten Verwaltungsratspräsidenten der Raiffeisenbanken auch ein ultimativer Aufruf zur Fröhlichkeit. Da den KundInnen des besagten Instituts schon lange nicht mehr zum Lachen war, sind solche Appelle sicher hilfreich.
Karin Hoffsten

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