Nr. 41/2018 vom 11.10.2018

Lässliche und andere Sünden

Von Karin Hoffsten

Der Witz, was reformierte von katholischen Pfarrern unterscheide, stammt aus Zeiten, als man katholischen Pfarrherren noch vorrangig Harmloses unterstellte: Der eine hat unheimlich viele Kinder, der andere heimlich.

In die Rolle des heimlichen Kindsvaters schlüpften jetzt CVP-Politiker – das «wertkonservative» Familienbild der Partei zu leben, scheint anstrengend zu sein. Während das gottlose Volk munter seitenspringt und Patchworkfamilien bildet, muss es der CVP-Politiker heimlich tun.

Wenn es doch rauskommt, zieht es zwangsläufig Erklärungen nach sich. Die Mutter eines vom damaligen CVP-Präsidenten ausserehelich gezeugten Kindes schrieb öffentlich: «Mein Söhnchen ist ein Kind Gottes. (…) Ich habe das Glück, dass ich seine Erdenmutter sein darf.» Und der frisch wiedergewählte Zuger CVP-Regierungsrat sagte dem «SonntagsBlick» über das Verhältnis, dem ein Kind entsprang: «Ich verstehe selber nicht, weshalb ich die Affäre hatte.» Was die Frau sicher gern las.

Der Seitensprung ist mir egal. Gar nicht egal ist mir, weshalb er überhaupt zum Thema wurde: eine verworrene Geschichte mit verliehenem Auto, fehlendem Fahrausweis und einer schweigsamen Staatsanwaltschaft, aufgedeckt von der «Republik». Doch laut «Blick» redet ganz Zug jetzt nur noch vom Kind: «Er ist auch nur ein Mensch.»

«Mein Grundvertrauen spielte mir einen Streich», sagt der Regierungsrat; dafür ist meines mal wieder im Eimer.

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