Nr. 41/2018 vom 11.10.2018

Der Handgranatenbefehl

Von Stefan Keller

Foto: Flugblatt aus dem Schweizerischen Sozialarchiv, Zürich

Am 10. November gibt es den ersten Toten. 660 Schüsse über die Köpfe einer Kundgebung hinweg, um die Leute zu vertreiben. 52 luzernische Soldaten gegen 7000 Zürcher DemonstrantInnen. Querschläger sirren, und vielleicht hat auch jemand einen Revolver dabei: Füsilier Sales Vogel, Bauer aus Pfaffnau, stirbt auf dem Fraumünsterplatz. Woher die Kugel kam, wird nie geklärt.

Der Proteststreik vom 9. November richtete sich gegen die militärische Besetzung der Städte. Als nach den Zürcher Schüssen ein unbefristeter Generalstreik nicht mehr aufzuhalten ist, muss das Oltener Aktionskomitee eilends die Forderungen zusammenstellen. Ein Teil der Basis munkelt bereits, das Komitee sei opportunistisch und rede zu viel mit Bundesräten. Zögernde Eisenbahner verlangen hingegen eine Urabstimmung vor dem Streik. Oberstdivisionär Emil Sonderegger, Kommandant der Zürcher Ordnungstruppen, riskiert mit dem Austeilen von Handgranaten ein Blutbad. Privat besitzt er eine Fabrik in Herisau. Sie zahlt notorisch Hungerlöhne. Gezielt auf Arbeiter geschossen wird drei Tage später in Grenchen.

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