Nr. 41/2018 vom 11.10.2018

Weisse Schlachtrufe, schwarze Skepsis

Von Klaus Walter

«Wir kämpfen, bis wir sterben / Korea, wir kommen!» Dieser Ruf zu den Waffen ist 1950 der erste Song über den Koreakrieg, er stammt von einem gewissen Harry Choates. Der Sänger wird nur 28 Jahre alt, er stirbt aber nicht im Krieg, sondern in einem Gefängnis in Texas. Im Suff war der Alkoholiker mit dem Kopf gegen die Zellenwand geprallt.

Solche Geschichten erzählt «Battleground Korea», eine 4-CD-Box mit über hundert Songs und Tondokumenten samt dickem Begleitbuch über «Amerikas vergessenen Krieg». Tatsächlich scheint dieser Krieg verschwunden in einem Zeitloch zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und den Sixties mit dem anderen, viel grösseren Krieg in Vietnam. Viel grösser? Nach neueren Schätzungen starben im Koreakrieg wahrscheinlich mehr als vier Millionen Menschen, davon etwa ein Prozent aufseiten der USA und der Uno.

«Wir sind vereint in unserer Abscheu vor der kommunistischen Sklaverei», erklärt Präsident Harry S. Truman im Jahr 1951, da war die Sklaverei in den USA seit 86 Jahren offiziell abgeschafft. Nach dem Sieg über die Nazis soll jetzt die kommunistische Gefahr gebannt werden, dabei helfen patriotische Lieder: «Wir gehen durch dick und dünn, durch Blut und Tränen, um die Welt zu retten vor Kommunisten, die lügen», singt Hank Harral aus Oklahoma. Aus vielen Songs spricht eine Kriegseuphorie, ein naiv-optimistischer Party-Antikommunismus, vor allem bei den weissen MusikerInnen aus Pop und Country.

Anders sieht es bei den Schwarzen aus, etwa bei Lightnin’ Hopkins und seinem «War News Blues». Viele Afroamerikaner singen von ihren Enttäuschungen im Zweiten Weltkrieg. Sie hatten gehofft, durch ihren Einsatz – oft in rein schwarzen Einheiten – als vollwertige Mitglieder der US-Gesellschaft anerkannt zu werden. Denkste. In der Haltung zum Koreakrieg tut sich ein Graben auf: Die Weissen feiern den Ruf von Uncle Sam, für viele Schwarze ruft da eher ein böser Onkel. So bietet «Battleground Korea» spannende Erkenntnisse und faszinierende Zeitdokumente, wenn auch nicht durchweg faszinierende Musik.

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