Nr. 42/2018 vom 18.10.2018

Gemmendott zweifelt

Von Stephan Pörtner

Dass immer mehr Menschen, vor allem jene, die recht gut oder sogar sehr gut fuhren, das Gefühl hatten, am Gängelband von finsteren Mächten zu sein, beunruhigte Gemmendott. Die Vorstellung einer nach Weltherrschaft strebenden, im Verborgenen agierenden Elite, die Finanzmanipulationen, Seuchenviren und Strohleute in höchsten Regierungsämtern einsetzte, wollte ihm einfach nicht einleuchten. Äusserte er diese Zweifel, lief er aber Gefahr, statt als ahnungsloses Schaf belächelt als abwiegelnder Mitwisser und Agent des Bösen angefeindet zu werden. Erst als er sich aktiv einklinkte und raunte, dass sein Nachbar Eggendanz hinter der Weltverschwörung steckte, wurde er als harmloser Spinner abgetan und in Ruhe gelassen.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Seine neue Gaunerkomödie «Die Bank-Räuber» tourt aktuell mit Beat Schlatter in der Hauptrolle durch die Deutschschweiz: www.diebankraeuber.ch. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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