Nr. 42/2018 vom 18.10.2018

Von Alice Galizia

Letzte Tage Lust

Mit dem autobiografischen Comic «Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens» landete die Wiener Künstlerin Ulli Lust 2009 einen Überraschungshit. In träumerischem bis krakeligem Stil erzählt der Band feinfühlig vom Erwachsenwerden, von Zweifeln, Liebe und Sexualität. Seither hat Ulli Lust eine ganze Fülle an Werken veröffentlicht, fiktiv und dokumentarisch, zuletzt «Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu sein». Die Vielfalt von Lusts Werk ist im Cartoonmuseum Basel noch bis Ende Oktober zu sehen. Also: Unbedingt noch anschauen!

«Ulli Lust. Zu viel ist nicht genug» in: Basel Cartoonmuseum, Di–So, 11–17 Uhr, noch bis 28. Oktober 2018.

In der Transitzone

Was bedeutet es, Frau zu sein? In Zürich, in Tunis, und gleichzeitig auch als Teil einer vernetzten Welt? Wie stelle ich mir mein Leben vor und wie das der anderen? Zwei Frauen treffen im Stück «Restricted Area / Zone Restreinte» in einem Transitraum aufeinander. Wegen eines Sicherheitsalarms werden sie dort unverhofft eingesperrt und müssen sich miteinander auseinandersetzen – und als sie plötzlich unter Verdacht geraten, auch mit den Sicherheitsbehörden. Der Erzählraum wird zum Verhörraum. Für das Stück haben das transkulturelle Theater Maralam aus Zürich, das Théâtre Mass’Art aus Tunis und das Konzeptbüro Rote Fabrik zusammengespannt, aufgeführt wird es in Zürich und verschiedenen Städten Tunesiens und Ägyptens. Während sich heutige Debatten um Migration und Islam häufig um männliche Protagonisten drehen, stellen die MacherInnen Frauen in den Mittelpunkt. Und damit ihre Wünsche, Sehnsüchte und Lebensrealitäten.

«Restricted Area / Zone Restreinte» in: Zürich Rote Fabrik, 18.–20. und 24.–27. Oktober 2018, jeweils 20 Uhr, 21. Oktober 2018, 18 Uhr.

Musik zum Erinnern

Schweizer Musik erstaunt und etwas verschämt «international klingend» zu nennen, ist zum Glück seit einigen Jahren immer weniger nötig, haben sich doch so viele KünstlerInnen mit spannender Musik hervorgetan. Danitsa gehört definitiv dazu, und man möchte sie vor lauter Begeisterung gleich in eine Liga mit Princess Nokia und Nneka stellen, zwischen denen sie sich auch musikalisch bewegt. Irgendwo zwischen Rap, Soul, Trap und Reggae ist die junge Genferin mit dem smoothen Flow zu verorten, die 2017 ihren ersten Longplayer, «Ego», veröffentlicht hat. «Everybody will remember me», singt sie darauf, alle werden sich an mich erinnern. Aber auf jeden Fall.

Danitsa in: Baden Royal, 20. Oktober 2018, 21 Uhr.

Filme aus dem Privatarchiv

In aller Munde war es heuer, das Jahr 1968, fünfzig Jahre danach. Im Berner Kino Lichtspiel soll nun auch dem Schmalfilm der Achtundsechziger Ehre erwiesen werden – und zwar mit den privaten Aufnahmen der ZuschauerInnen. Wer also noch Filme aus der Zeit hat, sei herzlich eingeladen, diese ins Lichtspiel zu bringen. Die Aufnahmen werden dann gemeinsam mit Filmen anderer Gäste und solchen aus dem reichen Lichtspiel-Archiv gezeigt. Und wer damals keine Kamera hatte oder zu jung ist, um dabei gewesen zu sein, kann sich auch einfach nur berieseln lassen.

Home Movie Day «1968 – Kurzes aus dem Privaten» in: Bern Lichtspiel, 20. Oktober 2018, 13–20 Uhr. Programm: www.lichtspiel.ch.

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