Nr. 43/2018 vom 25.10.2018

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Erhellende

Wie intelligent Computer sind, wissen wir nicht. Doch wir stellen fest, dass sie immer wieder neue Begriffe kreieren wie etwa diese Trennung aus der NZZ: «2011 spielte Rebekka Burckhardt im Schweizer ‹Tatort› ‹Wunschdenken› (…) eine ausgebuffte Barsch-lampe (…).» Das Wunschdenken bestand vermutlich darin, dass das Filmteam hoffte, auf weitere Beleuchtung verzichten zu können.
Jürg Fischer

Hitzköpfige

Ebenfalls in der NZZ fand ein Satz nicht mehr aus der Negativspirale: «In Washington wird vermutet, dass Pompeo zugleich die Saudi davon abhalten soll, auf Kritik von aussen nicht unbesonnen zu reagieren.» Das Gute daran ist, dass dadurch die Scharfmacher unserer Zeit unfreiwillig beim Namen genannt werden.
Jürg Fischer

Temperierte

Zu denken gegeben hat uns eine Infotafel am Basler Rheinufer: «Auf Grundlage eines Berichts des Bundesrates zum Klimawandel des Bundesrates wird in Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt des Kantons Basel-Stadt eine Erhöhung der Mindestfahrrinnentiefe um 30 cm realisiert. Für diese Korrektur der Schifffahrtsrinne ist eine punktuelle Abtragung der Rheinsohle notwendig.» Mal abgesehen davon, dass uns schon die Erhöhung der Mindesttiefe Angst vor dem Auflaufen macht, fragen wir uns, was wir vom Klimawandel im Bundesrat demnächst zu erwarten haben; uns kommt das Klima jetzt schon frostig genug vor.
Jürg Fischer

Platzierte

Auch höheren Orts wird munter gebloggt, etwa auf diesseits.ch, dem offiziellen Blog der evangelisch-reformierten Landeskirche. Aufmerksamkeit sollen auch hier möglichst originelle Formulierungen generieren. Zum Thema #MeToo dürfen wir deshalb in einem «diesseits»-Beitrag lesen, bei der Besetzung von Podien und Tagungen sei es wichtig, «darauf zu achten, dass die primären Geschlechtsorgane ausgewogen auf die Redezeiten verteilt sind». Wir trauen uns anzumerken, dass es für gelungene Podien und Tagungen nicht nur auf die Proportionalität von Pimmel und Muschi ankommt, sondern auch auf den Inhalt.
Jürg Fischer

Blaublutige

Aus Australien respektive über bluewin.ch erreicht uns folgende Nachricht: «Sie pfeiffen auf die Etikette – Harry und Meghan barfuss am Strand». Dann soll es sie nicht wundern, wenn Skorpione nach ihren Füssen greiffen.
Jürg Fischer

Fremde I

Dass der Klimawandel in der Brauindustrie angekommen ist, wusste die «Süddeutsche Zeitung». Österreich, Tschechien und Slowenien seien im Sommer darauf angewiesen gewesen, Braugerste «aus Bayern zu exportieren». Wenn bayerische Braumeister Landtagswahlkampf machen, entgeht ihnen schon mal, wie hinterrücks haufenweise Gerstenbündel ausgeschafft werden.
Karin Hoffsten

Fremde II

Der Heimatfilm ist ebenfalls nicht mehr das, was er mal war. Laut TV-Programm im «Tages-Anzeiger» lief kürzlich eine Folge der «‹Saheim in den Bergen›-Reihe». Wie der muslimische Knabe Saheim («Krieger») das Agassizhorn bezwingt, lässt besonders hierzulande niemanden kalt.
Karin Hoffsten

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