Nr. 44/2018 vom 01.11.2018

Von Silvia Süess

Vom Plagiat ins Bungalow

«Ich war siebzehn, wir durften das Haus nicht verlassen wegen Ozonwarnung, Hitzefrei für Erwachsene.» So beginnt der neue Roman «Bungalow» von Helene Hegemann, der von einer desaströsen Mutter-Tochter-Beziehung erzählt. Es ist bereits das dritte Buch der 26-jährigen deutschen Autorin. Bekannt wurde Hegemann mit ihrem Debütroman «Axolotl Roadkill», für den sie von der deutschen Presse zuerst als neues Literatursternchen bejubelt, kurz darauf als Plagiatorin verpönt wurde. In Zug liest die Autorin nun aus ihrem neuen Buch.

Helene Hegemann in: Zug Kulturzentrum Galvanik, Mo, 5. November 2018, 20 Uhr. www.galvanik-zug.ch

Unamerikanische Umtriebe

«Sind Sie oder waren Sie jemals Mitglied der Kommunistischen Partei?» lautete die Frage, die Hollywoodgrössen 1947 bei einer Anhörung vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe zu beantworten hatten. Zehn von ihnen verweigerten die Aussage, worauf sie zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Das war der Beginn der systematischen Jagd auf linke Kulturschaffende in den USA und die Geburt der «Blacklist».

Das Filmpodium in Zürich zeigt in der Reihe «Blacklist Reloaded» Filme von oder mit damals Geächteten, die als «unamerikanisch» gebrandmarkt wurden und dadurch ihre Arbeit verloren.

«Blacklist Reloaded» in: Zürich Filmpodium, bis 14. November 2018. www.filmpodium.ch

An den Haaren aufgehängt

Die Angst um ihre Mutter, die an den Haaren aufgehängt im Zirkuszelt hängt und herunterfallen könnte, begleitet die Erzählerin im Roman «Warum das Kind in der Polenta kocht» während ihrer ganzen Kindheit. Die in Zürich lebende Autorin Aglaja Veteranyi wurde mit diesem wunderbaren Roman im Jahr 2000 bekannt. Zwei Jahre später beging sie Suizid.

Das Sogar Theater zeigt nun unter der Regie von Ursina Greuel mit «Mamaia» ein Einpersonenstück von Veteranyi, in dem die Mutter die Erzählerin ist. In der ihr eigenen Sprache – eine Mischung aus Rumänisch, Spanisch und Deutsch – berichtet die Mutter (gespielt von Robert Baranowski) aus ihrem Leben als Zirkusartistin, sie erzählt von ihrer Tochter und schimpft über die Schweiz. Der Verlag Der gesunde Menschenversand gibt zudem mit «Wörter statt Möbel» und «Café Papa» zwei Bücher mit Texten aus dem Nachlass von Veteranyi heraus – eine weitere Möglichkeit, die grossartige Autorin wieder oder neu zu entdecken.

«Mamaia» in: Zürich Sogar Theater, Do, 1. November 2018, 19 Uhr; Sa/So, 3./4. November 2018, 17 Uhr; Mi/Do, 7./8. November 2018, 19 Uhr.

Buchvernissage mit szenischer Lesung in: Zürich Sogar Theater, Mo, 5. November, 19 Uhr. www.sogar.ch

Magnetische Fische feiern

Nein, Musik aus Bern muss nicht zwingend Mundartpop sein: Das beweist die Berner Band Magnetfisch. Seit zwanzig Jahren macht das Trio instrumentalen Elektropop. Da werden sphärische Klänge mit witzigen Discobeats vermischt, und das alles klingt erstaunlich weltgewandt und ganz und gar nicht provinziell. Zu ihrem zwanzigjährigen Bestehen lädt Magnetfisch mit befreundeten Bands zum Zuhören und Mitfeiern ein.

Magnetfisch, Coldstar und Buddha Verboten in: Bern Ono, Sa, 3. November 2018, 20 Uhr. www.onobern.ch

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