Nr. 44/2018 vom 01.11.2018

Der Präventions-GAU

Von Karin Hoffsten

Angesichts der Millionen, um die sich ältere Menschen ständig von falschen Enkeln und Polizisten prellen lassen, drängt sich, wie hier kürzlich erwähnt, der Verdacht auf, ab einem gewissen Alter seien alle gaga. Dagegen wirkt die Geschichte, die eine 88-Jährige – nach eigener Aussage «blind, aber nicht blöd» – dem «Beobachter» in der Rubrik «Augenzeugin» (!) erzählte, wie eine erfrischende Windbö.

Als ein Unbekannter sie am Telefon fragte: «Ja, erkennst du mich denn nicht?», tat sie, wovon sämtliche Präventionsfachleute träumen: Sie antwortete, er sei doch sicher «der Peter», hörte sich dessen Gejammer an, versprach dem Unbekannten Geld, das er bei ihr in der Wohnung abholen könne, und rief dann – weil «Peter» die Festnetzleitung blockierte – übers Handy die Polizei; die schickte einen Beamten, der mit ihr zusammen den «Enkel» in die Falle locken sollte. So weit, so perfekt.

Bis ihre Tochter kam. Die war vor lauter Besorgnis so empört, dass der Polizist schliesslich einräumte, seiner eigenen Mutter würde er so eine Aktion auch verbieten. Dem anrufenden Betrüger sagte die Tochter alle Schande, worauf der verstummte.

Die enttäuschte alte Dame hofft nun: «Vielleicht klappt es beim nächsten Mal.» Dank ihres entzückenden Vornamens Hulda muss sie sicher nicht lange warten. Aber dann sollte sie einen Polizisten mit mehr Rückgrat bestellen.

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