Nr. 44/2018 vom 01.11.2018

Grab them eine Grube

Ruedi Widmer über Sexisten, SelbstbestimmerInnen und den «Bachelor»

Von Ruedi Widmer

Der UBS-Billionaires-Report zeigt: Es gibt schon 2158 MilliardärInnen auf der Welt. Das sind gute Nachrichten; schliesslich waren es früher viel weniger, etwa hundert. Heute ist der Reichtum gerechter verteilt. Bald werden sich die MilliardärInnen verdoppeln, verdreifachen, und in ein paar Jahren sind alle acht Milliarden Menschen MilliardärInnen, und die Welt ist geheilt.

Schuld an den Bombenbriefen in den USA sind nicht die Absender, sondern die EmpfängerInnen, die ihren Aufenthaltsort nicht allwöchentlich wechseln. Ist es Faulheit? Oder die einfache Arroganz der sich unverwundbar Fühlenden?

Ein Alpenvolk jammert, es könne nicht selbst bestimmen. «Brüssel» oder «Strassburg» oder die Menschen der «Menschenrechte» beanspruchten die ganze Selbstbestimmung für sich. Dann soll dieses Volk doch abstimmen gehen. Es gibt genug Gelegenheiten, wenn die Stimmbeteiligung wieder mal bei 35 Prozent liegt. Die SelbstbestimmerInnen bestimmen dann aber doch lieber, in welche Shoppingmall sie fahren oder in welche türkische Feriendestination sie fliegen.

Der neue brasilianische Präsident Jair Bolsonaro, der viele Frauen nur deshalb nicht vergewaltigt, weil sie für ihn zu wenig attraktiv sind, ist der Höhepunkt des Polittrashs. Ob der asexuelle Hitler den Zweiten Weltkrieg wohl hätte gewinnen können, wäre er eine Spur mehr geiler Bock gewesen? So was kommt weltweit bei vielen an, und eine sexistische Welteroberung ist sogar ohne Kriegswaffen möglich, wie Sexpräsident Trump («Grab them by the pussy») beweist. Sexismus eint alle Klassen, Hautfarben, sogar Nationen. Es ist alles wieder wie in der Bibel von etwa 1950.

Die leider empfangbare Fernsehsendung «Der Bachelor» zeigt Frauen, die auch auf den Zug zurück aufgesprungen und durch und durch durchtätowiert sind, um dem ebenso durchtätowierten «Bachelor» zu gefallen. Dieser benotet auch gleich nach der Figur der Frauen deren Tattoos. Einige der Damen zeigen, dass man auch mit 21 noch attraktiv aussehen kann, wenn man sich die Lippen aufspritzt und die Furchen der Adoleszenz hochliftet und sich so den Look einer jung gemachten Siebzigjährigen aneignet.

Durchtätowieren hat das Totalitäre des «Durchregierens» unseres saudi-arabischen Bundesrats. Aussenminister Cassis regiert, was ihm halt in den Sinn kommt, und der bekannte Schneider-Ammann verschläft die Waffenlieferungen der Schweizer Pilatuswerke an die Familie Wüstensohn und würde nicht mal im Bombenhagel des Jemen aufwachen.

Luigi Di Maio, Giuseppe Conte und Matteo Salvini erhöhen die italienischen Staatsschulden massiv, obwohl Rechte normalerweise antreten, um zu «sparen». Die drei Türstehertypen, die Namen tragen, die sie in früheren Zeiten zu wunderbaren Cantautori am Sanremo-Festival gemacht hätten, rasen mit voller Absicht auf den Abgrund zu, in ihrem alternativlosen Fiat Uno. Heute kapert man mit Whatsapp, Facebook und ein paar wüsten Tweets ganze Staaten und Volkswirtschaften, um sich selber zu verwirklichen und die BürgerInnen zu zwingen, an seinen eigenen perversen Gelüsten teilzuhaben. So hat Salvini 2009 (im fernen Jahr, als Obama US-Präsident wurde) die Trennung von ItalienerInnen und AusländerInnen in der Eisenbahn vorgeschlagen; eine Vision, die er nun 2018 in der Gemeinde Lodi mit der rassengetrennten Mittagsverköstigung in den Schulhorten umsetzt. Endlich hat das offizielle Italien in afrikanischen Schulkindern einen Sündenbock für seine mafiöse Misswirtschaft, seine einstürzende Infrastruktur und seine verlorene Zeit mit dem gelifteten Herrn Berlusconi gefunden, der auch noch mit 82 Jahren schönes, dunkles Haar hat und wie 25 aussieht und beim «Bachelor» im thailändischen Koh Samui den 21-jährigen Girls mit nur ein bisschen Bunga Bunga den Kopf verdrehen würde.

Ruedi Widmer trennt Arbeit und Freizeit aus ethischen Gründen nicht.

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