Nr. 45/2018 vom 08.11.2018

Von Karin Hoffsten und Jürg Fischer

Genitiefe I

In der unentgeltlichen Qualitätspresse lasen wir: «Des Bachelor Clive Buchers Frauen kommen online unter die Räder.» Immerhin treffen sie dort auf des «Blick am Abends» Sätze.
Jürg Fischer

Genitiefe II

Mit dem Titel «Mikrofon-Fails der Politikern» wollte das Onlineportal «Watson» ebenso elegant rüberkommen, griff jedoch leicht daneben. Und im TV-Hinweis auf die Serie «Babylon Berlin» liess der «Tages-Anzeiger» den bedauernswerten jungen Kommissar «von den letzten Minuten mit seines Bruders auf dem Schlachtfeld» erzählen. Uns bleibt die Hoffnung, dass das Schicksal dem Genitiv so ein Ende erspart.
Karin Hoffsten

Heisse

Dafür, dass unserem besorgten Blick auch der vierte Fall nicht entgehen möge, sorgt liebenswürdigerweise das Versandhaus Galaxus: «Machen Sie eine Pause und geniessen Sie mit Freunden ein frisch aufgegossener Tee.»
Karin Hoffsten

Erstaunliche

Ebenfalls im «Tages-Anzeiger» beugten wir uns interessiert über einen Text mit dem Titel «Prix Courage an Inselspital-Ärztin». Dort wurde berichtet, der pazifische Inselstaat Palau wolle Sonnenschutzmittel verbieten, die für Korallen schädliche Substanzen enthalten; aufgrund des Titels vermuten wir hinter dem Verbot eine tapfere Ärztin, die im Spital auf einer der 356 Inseln von Palau praktiziert. Wir gratulieren den LeserInnen des «Beobachters» zu einer Wahl mit frischem Blick über die Landesgrenzen hinaus.
Karin Hoffsten

Frühreife

Eine 25-jährige Journalistin, die auch schon in unserem Hause arbeitete, blickte fürs «Zeit-Magazin» in einem Porträt ihrer Heimatstadt Zürich dankbar zurück auf die achtziger Jahre: «Die Generation der heute 40- bis 50-Jährigen hat uns alles erkämpft (…).» Wir, die wir schon etwas älter sind, erinnern uns noch genau, wie wir bass erstaunt zusahen, wenn Zwei- bis Zwölfjährige brennende Container vors Opernhaus schoben. Das Werfen von Pflastersteinen überliessen die Kleinsten aber meist den Grösseren, weil ihr Windelpaket sonst ins Rutschen geraten wäre.
Karin Hoffsten

Untote

Immer wieder konstatieren wir, wie auch Zombies grossen Gefahren ausgesetzt sind. «Nach einer Schiesserei in einem Yogastudio in Florida» berichtete «Watson», «ein zweites Todesopfer sei gestorben»; dabei hatte man ja rundum gehofft, den Betroffenen blieben noch ein paar gute Jahre im Filmbusiness. Dass uns jetzt auch ein Rechtsanwalt namens Mitchell Ruiz schrieb: «Ich möchte Sie als nächsten Verwandten meinem verstorbenen Kunden vorstellen», finden wir hingegen sehr aufregend. Wir diskutieren noch, wer hingehen darf.
Karin Hoffsten

Boshafte

Es ist ja nicht so, dass nur das Enthornen unser Vieh verletzt, auch unter Littering leidet das weidende Nutztier. So zeigte «20 Minuten» ein trauriges Bild mit der Legende: «Diese Kuh starb nach dem Verzerr von Aluminiumresten.» Weshalb Kühe all die Bierdosen, die RabaukInnen aus dem Autofenster werfen, vor dem Verzehr verzerren, wissen auch TierärztInnen nicht.
Karin Hoffsten

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