Nr. 46/2018 vom 15.11.2018

Sinnloses Hängenbleiben

Von Stephan Pörtner

Die Rundumdieuhrverfügbarkeit aller erdenklichen Musikstücke bei gleichzeitig altersbedingt nachlassendem Gedächtnis führte bei Striverton immer dann zu Sinnkrisen, wenn ihm ein Song durchs Hirn waberte, den er wortgetreu mitsummen konnte, ohne die geringste Ahnung zu haben, von wem er sein oder wie der Titel lauten könnte. Meist zog dies vor dem Computer verschwendete Halbtage nach sich. Das Durchblättern der elektronischen Musiksammlung, die, mässig genutzt, nichtsdestotrotz eine Gesamtdauer aufwies, die selbst optimistische Restlebenszeiterwartungen Strivertons weit übertraf, führte niemals zum Finden des Gesuchten, sondern zu sinnlosem Hängenbleiben bei genau jenen obskuren Stücken, die Monate später in seinem Hirn denselben Zyklus erneut auslösen würden.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Seine neue Gaunerkomödie «Die Bank-Räuber» tourt aktuell mit Beat Schlatter in der Hauptrolle durch die Deutschschweiz: www.diebankraeuber.ch. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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