Nr. 47/2018 vom 22.11.2018

Das Treiben des finsteren Staatsmanns

Von Stephan Pörtner

Der vollständige weltpolitische Durchblick ereilte ihn eines Abends, als er auf dem Sofa lag und an etwas ganz anderes dachte. Plötzlich wurde ihm klar, wer hier wen destabilisierte, manipulierte und untergrub. Auf einmal wusste er, wie alles zusammenhing und mit welchen relativ simplen Mitteln der finstere Staatsmann, der alle Fäden zog, diskreditiert und aus dem Amt gejagt werden könnte. Die Beweise für sein Treiben waren so offensichtlich, dass sie übersehen worden waren. Von dieser Erkenntnis überwältigt und von einer inneren Harmonie und Zuversicht erfasst, döste er ein und konnte sich, als er zwei Stunden später aufwachte, an nichts mehr erinnern.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Seine neue Gaunerkomödie «Die Bank-Räuber» tourt aktuell mit Beat Schlatter in der Hauptrolle durch die Deutschschweiz: www.diebankraeuber.ch. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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