Nr. 51/2018 vom 20.12.2018

Von Daniela Janser

Sambischer Space Race

«Sambia warnt Russland und die USA: Wir sind vor euch auf dem Mond». Das verkündete eine Zeitungsschlagzeile 1964 auf dem Höhepunkt des Space Race, des Wettrüstens um die Vorherrschaft im Weltraum. Auch Edward Mukuka Nkoloso von der sambischen «Staatlichen Akademie für Wissenschaft, Weltraumforschung und Philosophie» wollte eine Rakete auf den Mond schiessen, «bemannt» mit der «Afronautin» Matha Mwamba, zwei Katzen und einem Missionar, den man jedoch gewarnt habe, dass er das Christentum niemandem aufzwingen dürfe. Unterdessen gibts einen Fotoband und einen Dokumentarfilm über diese geniale satirische Intervention zum Space Race der Supermächte, die eine ebenso beissende Parodie auf den Kolonialismus war – und neu auch ein Performancestück. Darin führt uns die Manaka Empowerment Prod. der in Bern lebenden südafrikanischen Schauspielerin Ntando Cele mit Gesang, Tanz, Theater und politischen Einsprengseln vor, wie eindimensional unser Blick auf den afrikanischen Kontinent noch immer ist.

«Black. Space. Race. A Supersonic Afrobeat Performance» in: Bern Schlachthaus Theater, 27.–31. Dezember 2018 jeden Abend. Genaue Spielzeiten: www.schlachthaus.ch

Glück als Hölle

Die Zukunft als strahlende Idylle, was könnte man sich zum Jahresende Schöneres wünschen? Doch da macht uns die Literatur einen Strich durch die Rechnung. Als Michel Houellebecq uns etwa zum ausgehenden Jahrtausend Aldous Huxleys glücksdrogendurchzogene «Schöne neue Welt» als mach- und wünschbare Utopie näherbringen wollte, bewies er am Ende genau das Gegenteil: Seine «Elementarteilchen» machten einen todtraurigen Eindruck. Oder wie schon Freud wusste: Der Mensch hält die totale Harmonie schlicht nicht aus. Das müssen auch die drei Frauen von der Theatertruppe Les Mémoires d’Helène merken, die sich im Stück «Die schmerzfreie Gesellschaft» als Gefangene in der Komfortzone ihrer Ich-Bubbles wiederfinden: Ohne Störgeräusche geht es nicht. In den Seelen von uns Lebendigen sind Konflikte und Konfrontation programmiert – und das ist gut so.

«Schmerzfreie Gesellschaft» in: Zürich Fabriktheater, letzte Vorführungen Do–Sa, 21.–22. Dezember 2018. www.rotefabrik.ch/#/events/2549

Hunde statt Baum

Alle Jahre wieder lädt das Zürcher Xenix zum Weihnachtsabend auf den Kiesplatz im Kanzleiareal ins Open-Air-Kino. Heuer ist zum Einnachten «Isle of Dogs» zu sehen, Wes Andersons Animationsfilm über eine Hunderettung auf einer japanischen Abfallinsel. Dazu gibts Wolldecken – und Chili con Carne. 

«Isle of Dogs» in: Zürich Xenix (Open Air), Mo, 24. Dezember 2018, 18.30 Uhr. Um 21 Uhr läuft «101 Reykjavik» (drinnen). www.xenix.ch

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