Nr. 51/2018 vom 20.12.2018

Von Männern, die hupen

Von Franziska Meister

Das Selfievideo ist verwackelt, die Schaila mag die Haare der Teenagerin nicht bannen, die mit verzweifelter Stimme erzählt, weshalb sie keinen Ausweg mehr sieht. Dann: ein Balken, ein Seil mit Schlinge … Die Übertragung bricht ab. Schnitt. Wir sehen die Adressatin der Handybotschaft, die iranische Schauspielerin Behnaz Jafari (die sich selbst spielt) auf dem Rücksitz eines Autos, um Fassung ringend. Sie ist auf dem Weg in das Bergdorf im Nordwesten des Iran, aus dem sie Marziyeh, die so gern Schauspielerin geworden wäre, zu erreichen versucht hat.

Der Fahrer ist Jafaris Freund, der Regisseur Jafar Panahi, seinerseits Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und männlicher Hauptdarsteller des Films. «Three Faces» ist nach «Taxi Teheran» (2015) sein vierter Film, den er seit dem Berufsverbot 2010 heimlich gedreht und ins Ausland geschmuggelt hat. Drehort war diesmal die ländlich-abgeschiedene Dorfheimat seiner Eltern und Grosseltern. Mann ist noch immer sehr konservativ unterwegs dort, Schauspielerin ein geächteter Beruf. Selbstredend also, dass auch «Three Faces» ein politischer, ja ein feministischer Film ist. Die drei Gesichter des Titels stehen für drei Generationen von Frauen, die um Respekt für sich und ihren Beruf kämpfen – und um gegenseitige Solidarität. So findet Jafari vor Ort heraus, dass Marziyeh früher Zuflucht bei der alten Schauspielerin Shahrzad gefunden hatte, die vor Jahren mit Schimpf und Schande aus dem Dorf gejagt worden war.

Das alles ist leichtfüssig und mit feinem Humor erzählt – nicht zuletzt auf Kosten der Männer, deren Weltbild Panahi immer wieder ad absurdum führt. Sinnbildlich dafür steht eine schmale, verschlungene Bergstrasse, für deren Passieren die Männer komplizierte Hupsignale entwickelt haben – während Marziyeh eines Tages einfach zum Pickel greift. Was es mit der gepökelten Vorhaut auf sich hat, die Jafari in Teheran vergraben soll, sei an dieser Stelle aber nicht verraten.

Ab 27. Dezember 2018 im Kino.

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