Nr. 03/2019 vom 17.01.2019

Von Daniela Janser

Der Albtraumschweizer

Unter dem schlechten Titel «Füssli: Drama und Theater» ist im Kunstmuseum Basel eine gute Schau mit zahlreichen Hauptwerken des Zürchers Johann Heinrich Füssli (1741–1825) zu sehen. Auswanderer Füssli, der in seiner Wahlheimat England Henry Fuseli genannt wurde, malte im ausgehenden 18. Jahrhundert visionäre Szenen des Wahnsinns und der Ekstase auf der Nachtseite von Vernunft und Aufklärung. Eigentlich hätte er Pfarrer werden sollen, aber für ein gottesfürchtiges Leben im Priesterstand war sein Geist definitiv zu weit und zu wild.

Mit dem «Nachtmahr», seinem wohl bekanntesten Bild, brachte er es zum handfesten Skandal und bescherte zumindest den zarter Besaiteten der Londoner Gesellschaft Nightmares. Auf dem Bild ist ein undurchdringlicher Gnom zu sehen, der einer schlafenden Frau auf der Brust hockt. Füsslis ZeitgenossInnen wurde es ganz sturm (und Drang?) im Kopf ob all der sexuellen Andeutungen, die sie aus dem Bild herauszulesen wagten. Dieser Nachtmahr ist in Basel ebenfalls zu sehen, neben zahlreichen malerischen Auseinandersetzungen Füsslis mit literarischen Werken, darunter vor allem mit vielen Stücken Shakespeares.

Insbesondere lohnt es sich, die Nebenschauplätze auf den Bildern genauer anzuschauen, wo Füssli allerlei kleines Getier und andere rätselhafte Details untergebracht hat. Mit dem Eintrittsticket in die Ausstellung kann man sich auch noch in der Sammlung des Basler Kunstmuseums umsehen. Dort empfiehlt sich ein Gang durch die Räume mit Füsslis Zeitgenossen. Der Quervergleich macht nochmals deutlich, wie herausragend Füsslis Werk ist – nicht unbedingt wegen seiner technischen Versiertheit, aber was den künstlerischen Wagemut und die abgefahrenen Visionen angeht. 

«Füssli: Drama und Theater» in: Basel Kunstmuseum (im Neubau), bis 17. Februar 2019. www.kunstmuseumbasel.ch

Wie ein Drillbohrer

Wer gar nicht mehr aus dem Haus will, kann natürlich auch daheim vor dem Bildschirm über Gabriel Vetter lachen. Zum Beispiel, indem man seine todlustigen Tweets liest. Davon kann er aber kein Essen für seine Kinder kaufen, die sich schon zum Frühstück Pizza mit einem Belag aus Rüebli, Ananas, Tomaten und Heidelbeeren wünschen. Auch in seinem Stand-up-Comedy-Programm «Hobby» geht es manchmal um seinen Sohn, den Vetter wahlweise seinen Chef und seinen Lieblingsmenschen nennt, aber nicht nur. Wie immer bei guter Comedy steht nichts weniger als der Zusammenhang von allem mit allem auf dem Spiel. Vetter schraubt sich wie ein Drillbohrer in diverse aberwitzige Verkettungen hinein, mit anschwellenden Halsschlagadern und Stimmbändern.

Gabriel Vetter «Hobby – Stand up» in: Bern La Cappella, Allmendstrasse 24. Weitere Auftritte finden sich auf der Agenda von www.drehundangel.ch.

Die Welt im Alkohol

Nichts weniger als «Die Überwindung der Schwerkraft» verspricht Heinz Helle mit seinem neuen Roman. Etwas prosaischer zusammengefasst, geht es darin um zwei Brüder, die sich durch die Nacht saufen und dabei viel reden. Der Ältere erklärt dem Jüngeren die alten und neuen Abgründe der Welt, vom Kinderschänder Dutroux bis zur Schlacht um Stalingrad. Neun Monate später ist der ältere Bruder tot. Die begeisterte NZZ las den Roman als «Wimmelbild aus Gesellschaft und Gewalt», in dem Helle nach Orten suche, «die sich mit dem Glück der Einzelnen besiedeln lassen».

Lesung von Heinz Helle aus «Die Überwindung der Schwerkraft» in: Winterthur Coalmine Café, Turnerstrasse 1, Mo, 21. Januar 2019, um 19.30 Uhr.

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