Nr. 03/2019 vom 17.01.2019

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Brüchige

Zur Ankündigung des diesjährigen Wakker-Preises meldete bluewin.ch: «Langenthal hat ein Leben nach Prozellan». Glück im Unglück: Hätte das berühmte Langenthaler Geschirr aus so fehlerhaftem Material bestanden, wäre die Industrie nie gross geworden, sie wäre nie niedergegangen, ihr Areal hätte nicht umgenutzt werden müssen, der Preis wäre nicht vergeben worden.
Jürg Fischer

Trotzige

Nachdem der Zürcher Kantonsrat die Zustimmung zu den Plänen des Regierungsrats für die Umnutzung der Kaserne in Zürich verweigert hat, schreibt der «Tages-Anzeiger»: «Doch dem Kasernenareal drohnt nun ein anderes Schicksal.» Jaja, ihr Bürgerböcke, nun meint ihr wohl, ihr könnt dort nach Belieben den Drohnen frönen.
Jürg Fischer

Zeitlose

Auf einer doppelseitigen Anzeige in der «NZZ am Sonntag» prangen vor dem mit Infrarotfilm gemachten Bild einer Landschaft eine wahrscheinlich sehr teure Uhr von Audemars Piguet und der Spruch: «To break the rules, you must first master them.» Eine weitere Erklärung fehlt, und so können wir nur vermuten: Die ticken wahrscheinlich nicht ganz richtig.
Jürg Fischer

Besitzanzeigende

Wir kennen die Ursache nicht, doch es macht uns Sorgen: Das weibliche Geschlecht wird immer mehr zurückgedrängt – jedenfalls grammatikalisch. Erst lasen wir in der «NZZ am Sonntag»: «Darin hörte eine Romanfigur die Stimme seiner Erschafferin und versuchte zunehmend panisch Einfluss auf den Verlauf seines Schicksals zu nehmen.» Dann zog der «Tages-Anzeiger» nach mit «Die Brasserie mit seinen pittoresken Fresken war (…) zwischen 1911 und 1915 gebaut worden», und im selben Text stand: «Die kulinarische Neuheit findet sein Publikum.» Nein! Nein! Nein! Auch wenn die mundartliche Schweiz blühende junge Mütter flächendeckend «das Mami» nennt, ist das kein Freipass für eine Gesamteliminierung des Femininen.
Karin Hoffsten

Professionelle

Im Jobportal «NZZ Executive» sagte «Jolanda Grob, Chief HR Officer, Zurich-Versicherungen»: «Ich bin überzeugt, dass man sein Schicksal selber in der Hand hat», was ihr gutes Recht ist. Wie die Zitierte diese Überzeugung mit ihrer beruflichen Aufgabe und dem ihr anvertrauten Personal vereint, können wir uns aber nicht ganz vorstellen.
Karin Hoffsten

Verortete

Dass der Schweizer «Tatort» künftig in Zürich statt in Luzern gedreht wird, brach man im «Tages-Anzeiger» auf die Symbolik «Grossmünster statt Kappelerbrücke» herunter. Das kommt davon, wenn ein hungriger Journi beim Schreiben ans Essen denkt: Innerlich löffelt er Kappeler Milchsuppe auf der Kappellbrücke.
Karin Hoffsten

Geistliche

Die «htr Hotel Revue» berichtete über das neue Konzept einer Bar in St. Moritz: «Generell wird geschickt Einheimisches mit Weltlichem kombiniert, nicht zuletzt auch bei den Gerichten, die in einer kleinen Satellitenküche zubereitet werden.» Ein frohes «Lobet den Herrn» auf den Lippen, bereitet das Personal neben heimischen Oblaten auch mal eine bodenständige Bratwurst zu.
Karin Hoffsten

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