Nr. 04/2019 vom 24.01.2019

Reif für die Kreuzfahrt

Ruedi Widmer über Klimademonstrationen und das Internet

Von Ruedi Widmer

Ich habe schon in Diskussionen am toten Punkt der Ratlosigkeit vorgeschlagen, endlich das Internet weltweit abzuschalten, um wieder vernünftige Kommunikationsstrukturen und politische Verhältnisse zu schaffen. Das mag extrem sein, weil das Web offenbar auch Vorteile bringt; so habe ich mir von technisch versierter Seite gerade sagen lassen, dass auch die WOZ-App und -Website auf diese Einrichtung aus dem vergangenen Weltraumzeitalter angewiesen seien.

Aber zumindest sollte man von den privaten und öffentlich-rechtlichen Medien verlangen, endlich die Meckerecken unter ihren Artikeln abzuschalten, diese unerträglichen, in ihrer Bedeutung völlig aufgeblasenen Responsemöglichkeiten, die vor allem StubenhockerInnen verblühter Generationen anziehen wie die Fliegen.

Positiv daran ist allerdings die Ehrlichkeit der Klimawandelleugnerinnen und -verharmloser zu den Klimaschülerdemos. Die von linksgrünen LehrerInnen aufgepeitschte Jugend fliege, H & M-eingekleidet, nach der Demonstration nach Mallorca, um sich von den Anstrengungen des Schildermalens zu erholen, Riesensteaks zu verschlingen und via das neuste Samsung-Mobile vom Papa auf den 18. Geburtstag einen SUV zu wünschen.

Ich frage mich: Wo wäre, selbst wenn es so wäre, überhaupt das Problem? Den Klimawandel gibt es doch gar nicht, weshalb denn diese Argumentationskette der KlimawandelleugnerInnenfraktion?

Das Alter der Bildschirmwüteriche zeigt sich auch darin, dass sie der Jugend vorwerfen, Kreuzfahrten zu machen, oder die 68er-Demos erwähnen, an die sich eigentlich nur noch Methusalems erinnern. Als auch langsam ins geriatrische Alter Hinübergleitender (Schmerzen im Kreuz, ready for a Kreuzfahrt) habe ich noch Teletext erlebt sowie eine Einrichtung, von der ich den Namen leider nicht mehr weiss. Eine Art teletextuelle Frühvernetzung, wo man sich via «Bildschirmtext» (Kraftwerk) mit anderen austauschen konnte. 1990 stand ein solches Gerät in der Eingangshalle des Museums für Gestaltung.

Es war aber nicht jenes Internet, das Horst Seehofer schon um 1980 benutzte und von dem auch niemand mehr etwas weiss ausser Horst Seehofer selbst. Seine Kollegin Angela Merkel hingegen hat mal etwas ganz Gescheites gesagt, nämlich dass wir nicht wüssten, wie wir mit dem Internet umgehen sollten. Sie wurde verlacht, hatte aber vollkommen recht.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro wurde vor allem wegen Whatsapp gewählt; der ganze politische Echoraum hat sich ins Halbprivate der Social Media und des Wef zurückgezogen, durch gezielte Streuung von Falschmeldungen, die sich wie ein Virus verbreiten. Da weiss doch selbst der influenzerisch tätige und deswegen überbezahlte Social-Media-Hipster nicht genau, wie so was psychologisch und vor allem psychopathisch genau abläuft. Der macht sich lieber über Merkel lustig oder über mich, weil ich nicht weiss, weshalb gerade jetzt auf meinem Bildschirm die Meldung auftaucht, ich hätte nur noch 17,82 GB Speicherplatz und könne durch Speicheroptimierung Platz sparen. Ich weiss eh nicht, welche meiner Daten noch auf meinem Computer oder iPhone gespeichert sind und welche in einer Cloud. Es ist einfach irgendwie da, ausser man muss es unbedingt mal finden, genau dann ist es nicht mehr da. 1990 im Macintosh II war alles noch an seinem (Speicher-)Platz!

Und schon ähnle ich den KommentarschreiberInnen, denn die Übersicht zu verlieren, ist ein Menschenrecht! Deshalb sollte man die Kommentarfunktion nun doch nicht abschalten. Mein Frustkommentar lautet: «1990 waren Computer noch beherrschbar, ich hatte keine Rückenschmerzen, und das Klima war noch normal!»

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