Nr. 05/2019 vom 31.01.2019

Hochsitz verzweifelt gesucht

Von Stephan Pörtner

Das für den Lebensrest spontan gefasste Ziel, selbigen in einem Hochhaus mit Blick aufs Meer zu verbringen, erfüllte ihn mit kaum für möglich gehaltener Euphorie. Wegen des beschränkten Budgets kamen trendige Metropolen so wenig infrage wie fernöstliche Badeorte aufgrund ökologischer Bedenken. Was verblieb, waren mittelgrosse Städte, die zwischen Aufschwung und Abstieg taumelten. Über Immobilienseiten im Internet baute er sich täglich neue Existenzen auf, streifte durch virtuelle Quartierstrassen und suchte potenzielle Stammkneipen. Die Umsetzung seiner Pläne wurde jedoch stets von starken Zweifeln behindert, die ihn just in dem Moment überfielen, da er das Kontaktformular des Immobilienmaklers ausgefüllt hatte und abschicken wollte.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Seine neue Gaunerkomödie «Die Bank-Räuber» tourt aktuell mit Beat Schlatter in der Hauptrolle durch die Deutschschweiz: www.diebankraeuber.ch. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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