Nr. 13/2019 vom 28.03.2019

Eine Ohrfeige für Zwingli?

Von Florian Keller

Der Mann vom «Blick» ist empört. Da laufen mit «Zwingli» und «Wolkenbruch» gleich zwei eidgenössisch diplomierte Blockbuster, aber beim Schweizer Filmpreis gehen sie praktisch leer aus. Unerhört! Dünkelhaft! Diesen Preis könne man nicht ernst nehmen, poltert er: «Das ist eine Ohrfeige für jeden Regisseur, der seinen Film auch fürs breite Publikum macht. Es ist aber auch eine Ohrfeige für die halbe Million Kinogänger, die sich für ‹Zwingli› und ‹Wolkenbruch› entschieden haben und denen nun mitgeteilt wurde, dass sie sich eigentlich ganz andere Filme hätten anschauen müssen.»

Bestechende Logik! Die allermeisten dieser Leute haben dieses Jahr nur diese zwei Schweizer Filme gesehen. Wie sollten sie wissen, dass das die beiden besten waren? Aber gut, der Mann ist schliesslich People-Chef. Also Chef vom Volk, nicht von Kunst und Kultur. «Erfolg wird abgestraft», wie er im «Blick» titelt? Breaking News, Kollege: Der Bund belohnt erfolgreiche Filme jährlich mit Erfolgsprämien von über zwei Millionen Franken.

Und wie tönts abseits des Boulevards? Echo! Auch der Kritiker vom «Tages-Anzeiger» hat seine Bedenken und rechnet vor: 280 000 Eintritte für «Wolkenbruch», nur magere 5000 Eintritte für den Siegerfilm «Ceux qui travaillent». Nicht einmal dem Feuilleton der NZZ wills in den Kopf, dass die beiden grossen Gewinner an der Kasse beim Filmpreis zu grossen Verlierern degradiert wurden: «Die einen mögen es als ausgleichende Gerechtigkeit werten, die anderen als blinden Fleck der Filmakademie.»

Vor allem ist es der blinde Fleck dieser Kritiker, dass sie kommerziellen Erfolg partout mit künstlerischer Qualität verwechseln. Etwas Nachhilfe hier: Publikumsgunst ist eine super Sache, aber halt noch kein ästhetisches Argument. Zumal es das erklärte Ziel des Filmpreises ist, «herausragende Schweizer Filme auszuzeichnen und dadurch die Medien und das Publikum auf sie aufmerksam zu machen». Muss man noch irgendwen auf «Zwingli» und «Wolkenbruch» aufmerksam machen? Eben.

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