Nr. 14/2019 vom 04.04.2019

Politisches Lesefest

Um die Frage an György Dragomán aufzunehmen, aus der Besprechung links auf dieser Seite: Ein politischer Blick in der Literatur, was könnte das sein? Braucht es dafür eine Form von Rebellion? Das sind so Fragen, die WOZ-Redaktor Kaspar Surber beim diesjährigen Aprillen-Lesefest im Gepäck haben dürfte, für drei Gespräche über das Phantom namens «Politische Literatur». Annette Hug, Meral Kureyshi und Adolf Muschg werden je ihre eigenen Antworten mitbringen. Und weil neben Hug auch noch Michelle Steinbeck bei diesem Lesefest dabei ist, für einen Lyrikabend zusammen mit Luna al-Mousli, hat man Gelegenheit, gleich beide WOZ-Kolumnistinnen für einmal nicht zu lesen, sondern ihnen zu lauschen.

Aprillen-Lesefest in: Bern Schlachthaus. Bis 6. April 2019. Genaues Programm: www.aprillen.ch.

Florian Keller

Kunst der Langsamkeit

Dylan Carlson spielt Gitarre wie sonst niemand. Mit seiner Band Earth nahm er Anfang der neunziger Jahre ein Album auf, das im Prinzip nur aus enorm langsam gespielten Drones bestand. Den Stil, den die Band da erfunden hatte, überliess sie bald anderen. Jahre später kehrte sie in anderer Besetzung und mit neuem Sound zurück: das rudimentäre Schlagzeug so langsam, dass es stillzustehen droht, darüber assoziative Gitarrenschlaufen, die zumindest harmonisch an Blues oder Country erinnern. Diese Musik drängt einem keine Höhepunkte oder Brüche auf – wenn man sich aber hineinziehen lässt, kristallisieren sich immer wieder Momente von strahlender Schönheit.

Dylan Carlson in: Zürich Bogen F, Fr, 5. April 2019, 21 Uhr.

David Hunziker

Von Bomben und Quallen

«Philosophisch hochkomplex und doch so einfach geplottet wie ein Comic», jubelte einst ein Literaturkritiker namens Milo Rau in der NZZ. Gemeint war «8 ½ Millionen» (2009), der erste Roman von Tom McCarthy. In «Satin Island» (2016) liess dieser dann einen Anthropologen im Keller eines Konzerns versauern. Zuletzt ist von McCarthy ein Essayband erschienen, der schon im Titel sein wildes Denken absteckt: «Schreibmaschinen, Bomben, Quallen». Der Brite verschaltet Theorien und setzt sie in Bewegung, als Generalsekretär der International Necronautical Society macht er sich zudem einen seriösen Spass daraus, die Leiche der Avantgarde als Zombie zum Leben zu erwecken. Dürfte also spannend werden, wenn sich Stefan Zweifel im Rahmen seiner «Zürcher Gespräche» mit McCarthy unterhält.

Tom McCarthy in: Zürich Schauspielhaus, Sa, 6. April 2019, 20.30 Uhr.

Florian Keller

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch