Nr. 14/2019 vom 04.04.2019

In Eile für die Biodiversität

Von Bettina Dyttrich

Im Februar scheiterte die Zersiedelungsinitiative der Jungen Grünen an der Urne – jetzt steht schon die nächste Raumplanungsinitiative am Start. Dass antigrüne Kreise da «Zwängerei!» rufen, war absehbar. Doch die Landschaftsinitiative, die eine Allianz von Umweltverbänden letzte Woche lanciert hat, setzt den Fokus anders als die abgelehnte Vorlage: Sie will das Bauen ausserhalb der Bauzonen eindämmen.

Denn dort, wo eigentlich die bodengebundene Landwirtschaft hingehört, spriesst seit Jahren alles Mögliche: Reitställe, Umnutzungen von Heuspeichern zu Ferienhäusern, Hors-sol-Hallen, Ausflugsrestaurants, Gewerbebauten. Die Initiative fordert, dass die Trennung von Bau- und Nichtbaugebiet endlich konsequent umgesetzt wird: Gebäude in der Landwirtschaftszone, die nicht (mehr) der Landwirtschaft dienen, sollen weder vergrössert noch zu Wohn- oder Gewerberaum umgenutzt werden dürfen – ausser zum Erhalt schutzwürdiger Häuser. Vielleicht erinnern sich dank dieser Initiative einige Bürgerliche daran, dass die Erhaltung schöner Landschaften und Ortsbilder einmal ein urbürgerliches Anliegen war.

Die gleichen Verbände haben zeitgleich auch die Biodiversitätsinitiative lanciert. Diese hat zum Ziel, dass die Schweiz ihre Schutzgebiete wirklich schützt. Bund und Kantone sollen ausserdem dafür sorgen, dass «die zur Sicherung und Stärkung der Biodiversität erforderlichen Flächen, Mittel und Instrumente zur Verfügung stehen». Dieser Artikel spielt auf die Uno-Konvention zur Biodiversität an, die auch die Schweiz unterschrieben hat: Laut den sogenannten Aichi-Zielen sollte jedes Land 17  Prozent seiner Fläche unter Schutz stellen – die Schweiz ist erst bei 12,5.

Die Aufteilung der Landschaft in Schutzgebiete und Rest hat etwas Zwiespältiges. Am deutlichsten wird das in den USA: Hier sind die bewunderten Naturdenkmäler, dort wird die Erde rücksichtslos ausgebeutet. Das Ziel müsste eigentlich sein, eine Wirtschaftsweise zu entwickeln, die die Biodiversität erhält – auf der ganzen Fläche. Doch davon sind wir sehr weit entfernt, und die Zeit drängt: Das Artensterben ist dramatisch. Die beiden Initiativen verdienen Unterstützung.

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