Nr. 34/2019 vom 22.08.2019

Mit dem Postauto über den Alpenpass

Von Stephan Pörtner

Das überschätzte und von einer wahren Verblendungsindustrie propagierte Wandern, das die Menschen in die entlegensten Täler und Krächen brachte, wo sie ihre Ausrüstungsgegenstände, ihre Funktionsbekleidung und ihren Naturverbundenheitsdünkel spazieren führten, hatte Haubentaucher nie interessiert. Dass er trotzdem jeden Sommer in die Berge fuhr, hatte den einfachen Grund, dass er vom Balkon seines Hotelfensters aus gern auf selbige schaute und sich hin und wieder mit dem Postauto über einen Alpenpass chauffieren liess und das Mattengrün, das Felsengrau und das Bergseeblau bewunderte, ohne in Versuchung zu geraten, es durch seine Anwesenheit herabzuwürdigen. Den Rest der Zeit verbrachte er lesend im gelben Salon.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Im September erscheint im Bilgerverlag sein neuer Köbi-Krimi, «Pöschwies». Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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