Nr. 34/2019 vom 22.08.2019

Geissen für Zürich

Viele StädterInnen träumen vom Alpleben, während viele BergbäuerInnen zu viel Arbeit haben. Warum sich nicht zusammentun? Die «Bergsolawi» in der Bündner Surselva hat genau das im Sinn.

Von Bettina Dyttrich (Text) und Ursula Häne (Fotos)

Wenn sich StädterInnen beteiligen, wird die Herde vielleicht bald grösser: Auf der Alp Glivers führt Nadia Deplazes die Ziegen auf die Weide.

Ziegen mögen keinen Regen. Als die Tropfen grösser werden, beschwert sich Alva, die Weisse, lauthals und flüchtet unters Vordach, zum Leckstein. Der Rest der kleinen Herde folgt ihr. Es ist ein ruhiger Abend auf der Alp Glivers, tausend Meter über Surrein in der Bündner Surselva. Wolken schleichen den Hängen nach, verdecken die Sicht ins Tal und auf die nahe Milchkuhalp.

Über die Nacht trennt die Bäuerin Nadia Deplazes die sechs Muttergeissen und die halbwüchsige Biala, die Schöne, mit einem Gitter von den neun Gitzi. Nach dem Znacht – Gemüse aus dem Garten mit Geissenziger, Eierschwämmli aus dem nahen Wald und Reis – schaut ihr zwölfjähriger Sohn Luca vorbei. Mit seinem vierzehnjährigen Bruder Clau teilt er in den Sommerferien eine Stelle auf der Kuhalp. Luca ist «schuld», dass Familie Deplazes überhaupt Geissen hält. «Am Anfang war ich dagegen», sagt seine Mutter. «Wir hatten so schon genug zu tun.»

Inzwischen hätten auch Nadia und ihr Mann David gern mehr Geissen. «Ich mag selbstständige Tiere», sagt der Bauer aus Surrein. «Tiere, die die Freiheit lieben. Unsere könnten auch allein in den Bergen überleben …» – «… ausser die Weisse!», wirft die Bäuerin ein und lacht. Sie zählt weitere Vorteile der kleinen Wiederkäuer auf: «Geissen sind extrem ressourceneffizient. Ihnen genügt das magere Gras der Steilhänge, sie brauchen kein Zusatzfutter. Sie fressen den Menschen also nichts weg.» Auch ans wärmer werdende Klima seien sie besser angepasst als Kühe, ergänzt ihr Mann. «Wenn Hitzesommer wie 2018 normal werden, bekommen wir ein Problem mit dem Wasser. Den Geissen macht es nichts aus, weite Wege zur Tränke zu gehen.»

Wer isst die Gitzi?

Der kastrierte Bock Papageno schnuppert am Spaghettitopf. Dominik Waldmeier und Eveline Hauser gehen mit ihm auf Geissentrekking.

Zurzeit lebt die Familie Deplazes aber vor allem von ihren Mutterkühen: robusten Tieren, die nicht gemolken werden, sondern mit ihren Kälbern zusammenleben. Die Jungtiere werden mit zehn Monaten geschlachtet. Ausserdem bieten David und Nadia Lamatrekking an. Gerne würden sie die Ziegenherde vergrössern – aber es lohnt sich nicht: «Eine Geiss zählt 0,2 Grossvieheinheiten», erklärt David Deplazes. «Für fünf Geissen, die auf die Alp gehen, gibt es also den gleichen Sömmerungsbeitrag wie für eine Kuh – obwohl der Aufwand viel grösser ist.» Viele kleine Tiere machen mehr Arbeit als wenige grosse. Und noch ein Problem erschwert die Ziegenhaltung: Fast niemand will das Fleisch. Nur vor Ostern läuft der Verkauf der Gitzi gut. Aber dann sind sie noch nicht viel grösser als Kaninchen. Die Jungen so früh zu töten, geht vielen HalterInnen gegen den Strich. «Sie sollten wenigstens noch den Sommer auf der Alp verbringen können», sagt der Bauer. Aber wer kauft das Fleisch im Herbst?

Surrein gehört zur riesigen Gemeinde Sumvitg. Im Norden reicht sie bis zum 3613 Meter hohen Tödi an der Grenze zu Glarus, im Süden bis zur Greinahochebene an der Grenze zum Tessin. Auf Glivers, am Sonnenhang Richtung Tödi, sei der Alpsommer letztes Jahr so kurz gewesen wie noch nie, erzählt David: Es gab nichts mehr zu fressen – viel zu trocken. Im Val Sumvitg Richtung Greina war er hingegen so lang wie noch nie: Hier gewitterte es so oft, dass das Gras gut wuchs.

30 bis 35 Geissen, das wäre das Ziel von David und Nadia Deplazes. Und sie haben einen Plan: Zusammen mit fünf weiteren Bauernhöfen aus der Region und mit Menschen aus dem Unterland wollen sie ein Projekt der solidarischen Landwirtschaft beginnen. Dabei arbeiten KonsumentInnen eng mit ProduzentInnen zusammen, verpflichten sich, ihre Produkte für mindestens eine Saison abzunehmen, und bezahlen im Voraus. Sie beteiligen sich an der Planung und helfen oft auch bei den praktischen Arbeiten mit.

Am beliebtesten ist solidarische Landwirtschaft, kurz Solawi, bisher beim Gemüse: Es braucht nicht viele Investitionen, um mit Freilandgemüsebau anzufangen, und Mitglieder können sich gut beim Jäten, Ernten oder Verpacken beteiligen. Mit Tieren ist alles komplizierter – Ställe sind teuer, es braucht Anwesenheit rund um die Uhr, und die Betreuung ist anspruchsvoll: Kühe oder Ziegen mögen es gar nicht, wenn jeden Tag eine andere Anfängerin an ihrem Euter zupft. Trotzdem gibt es bereits Projekte, die mit Tieren arbeiten. Zum Beispiel die Genossenschaft Basimilch in Dietikon bei Zürich. Dort helfen die Mitglieder vor allem bei der Milchverarbeitung.

Obere Surselva (grosse Ansicht der Karte) Karte: WOZ

Basimilch hat genug UnterländerInnen gefunden, die einen Bezug zu ihren Lebensmitteln und zur Landwirtschaft suchten. Das ist in der Surselva schwieriger: «Sicher zwei Drittel der Leute haben noch einen Onkel oder Neni, der bauert», sagt David Deplazes. «Sie können dort mithelfen, wenn sie wollen.» Darum denken Deplazes gar nicht an Ilanz oder Chur. Sondern zum Beispiel an Zürich. Und da haben sie einen grossen Vorteil: Sie leben in einem Tal, das als Ferienparadies gilt. Und die Alp Glivers hat eine Hütte, die für die sorgfältige Renovation mit dem Anerkennungspreis Constructive Alps ausgezeichnet wurde. Aus dem Alpstall ist ein Gastraum mit offener Küche geworden, alles aus hellem Holz. Eine Treppe, abgegrenzt mit filigranen Holzstreben, führt in die Mehrbettzimmer im ersten Stock. Oben können bis zu 25 Leute übernachten. Das Dach reicht bis zum Boden; die Gitzi steigen gern darauf herum.

Schon heute kommen manchmal Feriengäste auf die Alp, schauen beim Zigern zu, helfen beim Buttern und begleiten die Geissen auf die Weide. «Es ist schon komisch, wie viel Geld man mit dem Tourismus verdienen kann – und wie wenig mit Lebensmitteln», sagt Nadia Deplazes, die im Winter als Skilehrerin arbeitet. Die solidarische Landwirtschaft soll diesen Widerspruch ein Stück weit aufheben, Lebensmittelproduktion und Aktivferien verbinden. «Wir stellen uns das etwa so vor», erklärt David Deplazes: «Wir halten 30 bis 35 Geissen, die Mitglieder tragen die Kosten dieses Betriebszweigs und erhalten alle Produkte – Ziger, Käse und jeden Herbst ein Gitzi. Jedes Jahr kommen sie eine oder zwei Wochen auf die Alp, können die ganze Familie mitnehmen und helfen beim Misten, Zäunen oder Pflegen der Weiden. Aber ohne Stress.»

Zugezogene und Weggezogene gemeinsam

Inzwischen heisst das Projekt «Bergsolawi». Sechs Landwirtschaftsbetriebe zwischen Lukmanier, Obersaxen und Vals sind dabei. Eine Genossenschaft könnte das Dach bilden, die Mitglieder würden auswählen können, auf welchem Hof – oder auf welchen Höfen – sie sich engagieren.

Immer wieder sitzen die beteiligten BergbäuerInnen mit engagierten UnterländerInnen zusammen. Eine der wichtigsten NetzwerkerInnen für die Bergsolawi stammt aus dem Aargau: Tabea Baumgartner. Sie kam 2015 für ein Praktikum beim Verein Agricultura nach Disentis und lebt heute im Nachbardorf Curaglia. Der Verein vernetzt Berglandwirtschaft, Tourismus und das lokale Gewerbe; Projekte wie ein Schulzimmer im Wald, den öffentlich zugänglichen Klosterstall Disentis, einen Schulgarten, eine Schnapsbrennerei und auch die Alp Glivers.

Als Baumgartner in die Surselva kam, diskutierte man in der Region über einen neuen Nationalpark. Der Parc Adula sollte von der Surselva bis ins Calancatal, von Splügen bis zum Lukmanier reichen. Agricultura arbeitete eng mit dem Nationalparkverein zusammen. Doch gerade in der Surselva war der Park besonders umstritten; in Sumvitg kam es gar zu Radau an einer Gemeindeversammlung (siehe WOZ Nr. 46/2016). Im Herbst 2016 scheiterte der Parc Adula an der Urne. Das habe auch Vorteile, sagt Baumgartner. «Ich glaube, die Gegner hätten bei einem Ja versucht, die Teilprojekte zu blockieren. Jetzt können wir wieder mit allen zusammenarbeiten, weil es nicht mehr um den Park geht.»

Baumgartner hatte nicht vor, in den Bergen zu bleiben. Aber inzwischen sitzt die 29-Jährige sogar im dreiköpfigen Vorstand der Gemeinde Medel, ist für Landwirtschaft, Schule und Tourismus zuständig. Sie kümmert sich um Alphütten, nimmt an Schulratssitzungen teil und diskutiert mit den lokalen MountainbikerInnen, welche Routen ihnen wichtig sind. Manchmal sei es schwierig, mit den alten Konflikten zwischen Familien im Dorf umzugehen. «Ich bin noch sehr jung für dieses Amt und habe auch nicht die Autorität, die manche vielleicht erwarten. Aber gerade weil ich nicht für immer hierbleiben muss, kann ich es unvoreingenommen angehen.» Wichtig ist ihr, dass bei jedem öffentlichen Anlass regionale Lebensmittel aufgetischt werden. Auch das neue Hotel Medelina arbeitet mit der gleichen Philosophie.

«Ich geniesse den engen Kontakt zur Landwirtschaft – Milch und Käse beim Nachbarn holen zu können», sagt Baumgartner. «So fühle ich mich näher am Boden.» Trotzdem vermisst sie manchmal die Stadt: «Dort ist die Dichte einfach grösser, es gibt mehr Menschen, die aktiv über Veränderungen nachdenken. Hier oben muss man sich organisieren, um Gleichgesinnte zu treffen.»

Genau das ist der Grund, warum Amanda Deplazes nicht weiss, ob sie zurückkommen will. «Hier leben wenige Menschen, die meine Werte teilen. Im Gymi in Disentis war ich praktisch die Einzige, die sich über die Umweltthematik Gedanken machte.» Sie stammt aus Surrein – David Deplazes ist ihr Götti – und hat in Zürich Umweltnaturwissenschaften studiert. Ihre Bachelorarbeit schrieb sie über Partnerschaften zwischen Bergdörfern und städtischen Nachbarschaften, wie sie der Verein Neustart Schweiz propagiert. Dafür interviewte sie unter anderem Tex Tschurtschenthaler, einen Mitgründer der Gemüsekooperative Ortoloco im Zürcher Limmattal. «Und während des Interviews fanden wir beide: Das setzen wir doch gleich um!» Die Bergsolawi könnte die Surselva auch als Wohnregion attraktiver machen, ist Amanda Deplazes überzeugt: dank mehr Austausch zwischen Stadt und Land.

Dominik Waldmeier und Eveline Hauser sind den umgekehrten Weg gegangen: Sie bauern als Zugezogene in Curaglia. Wie bei Familie Deplazes dreht sich auch bei ihnen fast alles um Ziegen. Es ist sogar den Tieren zu verdanken, dass sie sich kennen: Hauser war Hirtin auf Puzzetta, der Geissalp bei Curaglia, als sie Waldmeier kennenlernte. Er leistete seinen Zivildienst beim Bergwaldprojekt. Sie stammt aus der Innerschweiz, lernte Schneiderin und Bäuerin und jobbte in den verschiedensten Berufen, er arbeitete im Zürcher Opernhaus als Bühnentechniker, im Sommer als Outdoor-, Kanu- und Kletterleiter. Zusammen kauften sie einige Geissen, konnten in Curaglia Land pachten und 2012 ihren Betrieb offiziell anmelden. Aber erst seit sie ihren Hof 2016 auf 28 Hektaren vergrössern konnten, muss Waldmeier nicht mehr im Winter in Zürich Geld verdienen.

Tag und Nacht «chrampfen»

Dem Vierzigjährigen sieht man den Outdoorguide immer noch an. Aber er wirkt ausgepumpt. «So, wie es in der Landwirtschaft heute läuft, hat das keine Zukunft. Und Spass macht es auch nicht», sagt er. «Wir chrampfen Tag und Nacht und als Hobby, Sechzehnstundentage sind normal.» Das Bergsolawi-Projekt sieht er als Chance, die Überarbeitung zu durchbrechen. «Die Höfe müssen kleiner werden mit mehr Leuten, nicht grösser mit weniger. Und ich möchte auch gern wieder einmal Zeit haben für etwas anderes als Arbeit.» Das einzige Hobby, das er heute hat, ist die freiwillige Feuerwehr.

Eine bunt gescheckte Ziegenherde weidet in der Sommersonne. Es sind die Packgeissen, mit denen Hauser und Waldmeier Trekkings anbieten und die darum nicht auf die Alp gehen. Als Waldmeier auf den Zaun zugeht, fiept der grosse weisse Herdenschutzhund Falk freudig. Zurzeit lebt zwar kein Wolf in der Nähe, vor dem er die Geissen schützen muss – aber das kann sich schnell ändern.

Weil die Ställe nicht beim Wohnhaus liegen, sondern auf der anderen Talseite, weit weg von den dröhnenden Töffs auf der Passstrasse, haben sich Hauser und Waldmeier hier in zwei Jurten häuslich eingerichtet. Warme Schaffelle liegen auf dem Sofa, Kleider hängen an Hirschgeweihen. Für das Paar ist diese romantische Szenerie Alltag, aber wie die Alp Glivers der Familie Deplazes kann sie sicher helfen, sehnsüchtige StädterInnen anzulocken.

Schon heute arbeiten regelmässig Leute aus dem Unterland auf dem Hof mit. «Wir merken, dass das Bedürfnis gross ist, die Berglandwirtschaft kennenzulernen. Und auch uns tut der Kontakt gut. Es hilft gegen Betriebsblindheit, wenn jemand von aussen kommt und fragt: Warum macht ihr das so?» Mit der Bergsolawi, hofft Waldmeier, liesse sich die Mitarbeit noch besser organisieren: «Manchmal ist es sehr wertvoll, eine Person zu haben, die zwei Monate bleibt und sich einarbeiten kann. Manchmal wäre es aber auch super, man hätte zwanzig Leute für eine Woche.»

So könnte man schnell viel machen: von Lawinen verschüttete Weiden und Wiesen räumen, Büsche roden, Zäune aufstellen. Seit weniger Familienangehörige auf den Höfen mithelfen, sind die BetriebsleiterInnen oft kaum mehr in der Lage, alle notwendigen Arbeiten in der Landschaftspflege zu stemmen. Waldmeier ist überzeugt, dass die Mithilfe für StädterInnen wertvoll ist: «Wenn man gemeinsam pickelt und schwitzt und vor einem Gewitter unter die Bäume flüchtet, entsteht ein ganz anderer Austausch, als wenn man nur zusammensitzt.» Der Bergbauer tauscht sich gern mit Tex Tschurtschenthaler von Ortoloco aus. Er teilt dessen Begeisterung für solidarische Landwirtschaft: «Die Vision dahinter ist der Sturz des marktwirtschaftlichen Systems.»

Bei Ortoloco leisten die Mitglieder zwei Drittel der Arbeit. Die angestellten Gemüsebauprofis unterstützen sie zwar, aber inzwischen sind viele GenossenschafterInnen so versiert, dass sie andere anleiten können. Das wünscht sich Waldmeier auch in Curaglia: «Wir hoffen auf Wiederholungstäter. Damit wir nicht immer wieder bei null anfangen und erklären müssen, dass es ein Gitzi oder ein Kalb braucht, damit ein Tier Milch gibt. Und damit die Leute sehen, was alles nötig ist, bis ein Kilo Fleisch oder Käse auf dem Teller liegt.»

Wie Nadia Deplazes ist auch Dominik Waldmeier überzeugt: «Tierhaltung gehört hier oben einfach dazu.» Wenn man schon Fleisch esse, dann am besten von hier oben, wo man kein Gemüse anbauen könne. «Ich möchte einmal ausrechnen, wie viel ein Kilo Fleisch wirklich kosten würde, wenn wir keine Direktzahlungen bekämen. Solawi ist eine Chance, sich dem tatsächlichen Wert der Nahrung und der Arbeit anzunähern.»

Geissen als Vermittlerinnen

Tabea Baumgartner verbringt den Sommer mit 300 Geissen auf Puzzetta. Obwohl sie schon um fünf Uhr aufgestanden ist, klingt sie spätabends am Telefon zufrieden: «Wir hüten zu zweit. Ich finde es faszinierend, wo diese Geissen herumsteigen. In den Grünerlen, in den Alpenrosen und in den feinsten Felsspalten finden sie noch Futter – und machen Milch daraus.»

Auf der Alp Glivers bindet Nadia Deplazes am Morgen die Geissen an und melkt sie von Hand. Danach öffnet sie das Gitter, und die Gitzi stürmen zu ihren Müttern. Den Rest des Tages dürfen sie die Milch trinken. Nach dem Frühstück führt Nadia die kleine Herde in die steilen Hänge bei den Lawinenverbauungen, oberhalb der Kuhweiden. Die Gitzi sprinten hin und her, knabbern an Heidelbeersträuchern, verwickeln sich in Zweikämpfe und versuchen, im Gehen etwas Milch direkt vom Euter zu erwischen. Danach steigt Nadia ins Auto und fährt ins Tal, um sich um den Garten zu kümmern. Sie verbringt die Nacht im Sommer meistens auf der Alp, während ihr Mann unten die Heuernte koordiniert. Dazwischen leiten beide je nach Buchungen die ein- oder mehrtägigen Lamatrekkings. Es gibt viel zu organisieren als Bergbäuerin von heute.

In seiner Kindheit, erinnert sich David Deplazes, war die Ziegenhaltung in Surrein noch ganz anders organisiert. Jeden Morgen sammelte ein Hirt die Geissen des Dorfes – es waren viel mehr als heute –, zog mit ihnen bis über die Waldgrenze und kam am Abend wieder zurück. Anders als die Kühe blieben die Geissen nicht auf der Alp, denn sie versorgten die DorfbewohnerInnen über den Sommer mit Milch. Im Herbst, wenn die Kühe herunterkamen, war es umgekehrt: Dann liess man die Geissen auf den Alpen frei und molk sie nicht mehr. Zu fressen fanden sie genug, bis der erste Schnee kam. Die Geissen wanderten dauernd zwischen oben und unten hin und her, vermittelten zwischen Berg und Tal. In der Bergsolawi werden sie das wieder tun.

Die Bergsolawi sucht MitstreiterInnen. Vom 1. bis zum 3. November finden Schnuppertage statt. www.bergsolawi.ch

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