Nr. 38/2019 vom 19.09.2019

Keinerlei Anlass zum Insichgehen

Von Stephan Pörtner

Der Anblick einer beeindruckenden Anzahl hochgezüchteter, flunderflacher Sportwagen der Unbezahlbarklasse, die dann auch pflichtbewusst von begeistert herbeigeeilten Jungmännern abfotografiert und als nicht zu erreichender Beweis einer vollendeten Existenz belechzt wurden, ehe die Autos über die Pässe brausten, war ein nicht zu ignorierender Hinweis auf die Existenz eines mit reichlich Freizeit ausgestatteten Geldadels, der völlig unbeleckt von allfälligen Bedenken hinsichtlich seines Tuns durch die Welt knatterte und heulte. Selbst der Zwischenhalt beim verschwundenen Gletscher diente einzig als Fotosujet und bot keinerlei Anlass zum Insichgehen und zur Mässigung und so blieben Zweifel, ob Veränderung möglich war, solange diese Klasse am Steuer sass.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Ende September erscheint im Bilgerverlag sein neuer Köbi-Krimi «Pöschwies». Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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