100 Wörter

Stephan Pörtner schreibt für die WOZ seit Sommer 2008 Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

19.04.2018

Nicht grundsätzlich schädlich

Über die Kultur des Drinnenbleibens war der alljährliche, unter dem Namen Frühling schöngeredete Backlash eingebrochen. Als ob die Menschheit ihre wichtigsten Werke nicht in Höhlen, Kammern und Kellern errungen hätte.

12.04.2018

Neue Einblicke dank Attrappe

Die zunehmende Unmöglichkeit, bekannte von unbekannten Gesichtern zu unterscheiden, beziehungsweise die bekannten einem bestimmten Lebensbereich oder -abschnitt zuzuordnen, liess Brenzabel nervös und oft gesenkten Blickes durch die Stadt gehen.

05.04.2018

Kaufen! Kaufen! Kaufen!

Das eigene Konsumverhalten, das je länger, je weniger zu rechtfertigen war, einer kritischen Prüfung zu unterziehen, vermied er tunlichst, weil die berechtigte Angst bestand, dass die dadurch ausgelöste negative Selbstwahrnehmung zu Schuldgefühlen, Versagensängsten und letztendlich Frustkäufen fü

29.03.2018

Leichenmahl-After-Hour

Der Umstand, dass Beerdigungen immer wieder Konzerten, Tanzveranstaltungen und Fussballmatches den Rang als soziale Topevents abgelaufen und Leichenmahle den Platz der After-Hour-Party eingenommen hatten, setzte das zahlen- und gesundheitsmässig zusehends angeschlagene, einst Szenevolk genannte,

22.03.2018

Morgenprogramm

Dass sich von ihrem Beruf und den diesen ausbeutenden Grosskonzernen angewiderte JournalistInnen daranmachten, im Internet ellenlange Texte über Themen zu publizieren, von denen er nicht gewusst hatte, dass sie existierten, geschweige denn interessierten, kam seiner zur Kunstform erhobenen Ausdeh

15.03.2018

Racheparagraf

Die Zopfigkeit abgehalfterter Binsenweisheiten hinderte diese nicht daran, weiterhin und oft nur oberflächlich abgewandelt durch die sozialen und traditionellen Medien zu fegen, nicht selten als Einsichten, ja Meinungen gar, angepriesen.

08.03.2018

Treibjagd im Tobel

Von den Horden hasserfüllter Hündeler durch an sich liebliche Tobellandschaften gehetzt, konnte sich Knöpfendring nur noch mit Not unter eine Brücke und von dort aus durch ein stillgelegtes Abflussrohr über die Stadtgrenze flüchten, wo er sich einigermassen in Sicherheit glaubte, bis dass er gewa

01.03.2018

Ein Hoch auf die Rechtsmedizinerin

Der wegen Irreführung der Rechtspflege mehrfach vorbestrafte Prozesshansel Niedergsell heckte bereits seinen neusten Coup aus, indem er einen zufällig des Weges kommenden Passanten hinterrücks der Tätlichkeit bezichtigte und so lange auf ihn einekelte, bis sich dieser tatsächlich zu einer solchen

22.02.2018

Weltschmerz als Lifestyleprodukt

Mit dem Weltschmerz war es so eine Sache. Trotz mehr als hinreichend begründeter Daseinsberechtigung hatte er einen langen Abstieg in der Beliebtheitsskala vorherrschender Emotionen hinter sich. Es haftete ihm der Makel des Zartbesaiteten, Hochsensiblen, ja Jammerlappigen an.

15.02.2018

So was von selber schuld

Eingelullt von Tiefstpreisen und heimgelockt von als unaufschiebbar empfundenen Projekten, nahm Abenufen, anstatt mit einem Gefühl überlegener Cleverness und kosmopolitischer Gleichgültigkeit den Heimflug anzutreten, seinen Platz in der Schlange der Menschen ein, die, genau wie er selber, aufgrun

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