12.02.2004

Die Migros-Geschichte

Von Susan Boos

1925: An seinem 37. Geburtstag, am 15. August 1925, lässt Gottlieb Duttweiler die Migros-Aktien-Gesellschaft ins Handelsregister der Stadt Zürich eintragen. Die Migros besteht zu jenem Zeitpunkt aus neun fahrenden Läden und bietet Zucker, Teigwaren, Reis, Kaffee und Seife an. Im ersten Jahr macht sie einen Umsatz von knapp 800 000 Franken.

1928: Die Migros beginnt ihre eigenen Produkte herzustellen: Duttweiler übernimmt die Alkoholfreie Weine AG Meilen. Gleichzeitig kommt er vom reinen Verkaufswagenkonzept ab und eröffnet in verschiedenen Regionen fünf Läden. Der Laden in Baden muss bald wieder geschlossen werden, weil der Widerstand zu gross wird. Die Migros-Gegner argumentieren, die Migros sei gekommen, um die Preise zu senken, damit Brown, Boveri & Cie die Löhne senken könne.

1933: Parlament und Regierung stoppen die Migros. Nationalrat Fritz Joss, Vizepräsident des Gewerbeverbandes, reicht eine Motion ein, die das Verbot «neuer Einheitspreisegeschäfte» verlangt. Der Bundesrat erlässt einen Dringlichen Bundesbeschluss, der als Filialverbot in die Geschichte eingeht; es wird erst am 1. Januar 1946 aufgehoben.

1935: Duttweiler beschliesst, in die Politik zu gehen. Er will keine Partei, sondern eine «Bewegung unabhängiger Männer» gründen, die für soziale Gerechtigkeit einstehen. Die «Unabhängigen», darunter Duttweiler selbst, holen gesamtschweizerisch sieben Sitze. Ein Jahr später wird der «Landesring der Unabhängigen» offiziell gegründet.

1937: Als Reaktion auf das Filialverbot lanciert Duttweiler den «Giro-Dienst» und beliefert selbständige Spezereihändler mit Migros-Produkten.

1940/41: Duttweiler beschliesst, sein Unternehmen in eine Genossenschaft umzuwandeln und den KonsumentInnen zu schenken. Duttweiler macht aus seiner Firma einen demokratischen Wirtschaftsverbund, der aufgebaut ist wie die Eidgenossenschaft.

1944: Die erste Migros-Klubschule startet in Zürich mit besonders günstigen Sprachkursen. Statt den erwarteten 200 melden sich 1400 Personen an.

1948: Die «amerikanische Methode» hält in Zürich Einzug: Die Migros eröffnet den ersten Selbstbedienungsladen der Schweiz.

1950: Gottlieb und Adele Duttweiler rufen die G.-und-A.-Duttweiler-Stiftung ins Leben. Sie wollen damit eine «Instanz schaffen, die sich zu unseren Lebzeiten und insbesondere nach unserem Ableben dafür einsetzt, dass die von uns bei der Gründung der Migros-Genossenschaften bezeichneten Ziele von diesen erhalten und weiter verfolgt werden».

1962: Gottlieb Duttweiler stirbt 74-jährig.

1974: Die Migros führt das M-Sano-Label ein. Es steht für möglichst chemiefrei und natürlich produzierte Lebensmittel.

1980: Der M-Frühling will die Demokratie in der Migros wiederbeleben. Eine Gruppe um Hans A. Pestalozzi engagiert sich bei den Genossenschaftsratswahlen (ähnlich wie heute Sorgim). Pestalozzi hatte das Gottlieb-Duttweiler-Institut geleitet, musste aber Ende der siebziger Jahre seinen Platz räumen, weil er als zu radikal galt. Der M-Frühling holt bei den Wahlen zwanzig Prozent der Stimmen.

1994: Die Migros versucht im grossen Stil ins Ausland zu expandieren. Sie will mit dem Konsum Österreich zusammengehen. Der Konsum hat jedoch massive ökonomische Probleme. Die Expansion droht zum Desaster zu werden, die Migros zieht sich nach wenigen Monaten wieder aus Österreich zurück.

2002: Der Migros-Genossenschafts-Bund revidiert seine Statuten und schafft die Urabstimmung wie die Initiative ab. Gleichzeitig wird das Kollegialitätsprinzip abgeschafft: Bislang war der Migros-CEO als Primus inter Pares den anderen Geschäftsleitungsmitgliedern gleichgestellt. Neu hat er Weisungsbefugnis. Zudem soll die Duttweiler-Stiftung bei den Migros-Managerlöhnen nicht mehr mitreden dürfen. Pierre Arnold, der früher selbst Migros-Chef war und das Duttweiler-Institut führt, wehrt sich heftig gegen diese Statutenänderung. Er wirft der Migros-Leitung vor, sie würde Duttweilers Ideen verraten. Die MGB-Delegiertenversammlung stimmt jedoch mit einem Stimmenverhältnis von 95:3 der Statutenrevision zu.

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