02.05.2002

Tarek und die Vögel

Ein Augenschein bei Theaterleuten in Palästina – kurz vor der auch militärischen Wiederbesetzung der autonomen Gebiete durch die israelische Armee.

Von Daniel Ludwig

Tarek liebt die Vögel. Doch der in Deutschland promovierte Ornithologe hat zurzeit ganz andere Sorgen, als sich um das Brutverhalten der norddeutschen Schilfrohrdommel an der Ostseeküste bei Wismar zu kümmern. Tarek ist wieder zuhause im arabischen Ostjerusalem und choreografiert. Als begnadeter Dabke-Tänzer betreut er eine aus den besten Familien Ostjerusalems stammende Gruppe von Jugendlichen. Rauchend stehen seine Zöglinge herum und debattieren. Tarek schwitzt und schweigt resigniert am Bühnenrand. Die Tanzelemente aus seinem Dabke-Arrangement funktionieren zwar ganz gut, aber die Theater-Sketches dazwischen – alltägliche Szenen aus dem Alltag palästinensischer Bauern – wollen nicht so recht klappen. Die Darsteller – modisch in neueste Jeans gekleidet und von begüterten Jugendlichen Helvetiens kaum zu unterscheiden – diskutieren immer erregter durcheinander. Ihre sympathischen Versuche, als Jeunesse dorée harten palästinensischen Bauernalltag darzustellen, wirken zugleich rührend und dilettantisch. Noch vier Tage bis zur Premiere in YMCA, so geht es nicht weiter. Was tun?

Die Probe wird ins «Pasha» verlagert, einem nahe gelegenen Restaurant. Klar, man ist und fühlt sich privilegiert in der vielschichtigen palästinensischen Gesellschaft, aber man will auch etwas zur Intifada beitragen, keine Steine, kein Sprengstoff. Nein, besser ist es, sich auf seine Wurzeln zu besinnen, auf die eigene Kultur, auf Dabke, den palästinensischen Nationaltanz zum Beispiel, auch wenn Shakira und Kylie Minogue einem doch etwas näher stehen. Kultur als Schleuder gegen den Goliath, und Tarek soll es richten. Doch die Erkenntnis reift, dass knapp vier Tage vor der Premiere demokratisches Mitspracherecht als probates Mittel kaum mehr taugt. Ein Chef ist jetzt gefragt. «Tarek! Du musst befehlen!» Tarek verzieht säuerlich seinen modischen Kinnbart, starrt müde mit traurigen Augen auf sein leer getrunkenes Taybeh-Bier und nickt. Mish mushkela, no problem. Er wird es an der morgigen Probe versuchen, insha’allah.

Kalandia-Checkpoint zwischen Ramallah und Jerusalem. Wind, etwas Regen, überall Schlamm und Abfälle, Gesteinsbrocken, Autowracks und ein zu einem Trichter arrangiertes Dreieck von massiven Betonelementen, darin eingepfercht wie Schafe hunderte von Männern, Frauen und Kindern. Gegenüber Tarnnetze, darunter Schützenpanzer mit aufmontierten schweren Maschinengewehren, hinter Betonblöcken und Sandsäcken schwer bewaffnete Soldaten, die Gewehrmündungen ausnahmslos auf die wartende Menschenmenge gerichtet. Ein neu aussehender Chevrolet-Van fährt vor, zwei Palästinenser stützen einen betagten, stark gehbehinderten Mann und nähern sich den Soldaten. Plötzlich Schüsse, man duckt sich, der Soldat zielt auf die drei Männer und schreit Unverständliches. Die Männer zerren erschrocken den alten Mann hinters Auto zurück, der Soldat zieht ein gelbes Teppichmesser (!) hervor und schneidet den vordersten Reifen des Chevy-Vans auf. Ein Knall. Zischend entweicht die Luft aus dem Reifen. Das Auto gerät in Schräglage. Fluchend und wild mit seiner Maschinenpistole gestikulierend weicht der Soldat zurück, bedeutet den Wagenbesitzern in rudimentärstem Arabisch, sie seien zu nahe herangefahren. Winkt lässig eine Frau mit Kopftuch zu sich. Papiere! Checkpoint-Alltag in Palästina.

«Wir bewundern die Kreativität der israelischen Checkpoint-Soldaten», meint lachend Iman Aoun, die Prinzipalin des sehr umtriebigen Ashtar-Theater-Ensembles aus Ramallah. «Wenn sie sich langweilen, rufen sie manchmal nur diejenigen Männer zur Personenkontrolle auf, die gerade rauchen. Oder nur jene, die drei Töchter haben. Oder die, die ein weisses Hemd tragen. Oder ein grünes. Oder Frauen ohne Kopftuch. Die andern warten oder werden weggeschickt.» Ihre Miene wird ernst. Die stärkste Waffe der Israelis sind nicht ihre F-16, nicht ihre Apache-Helikopter – nein, es ist die tägliche, systematische Demütigung der palästinensischen Bevölkerung an den Checkpoints. The daily humiliation. Und das nicht erst seit Beginn der letzten Intifada, das machten sie, seit sie hier lebe, meint sie, also seit über dreissig Jahren. «Unser Lachen ist bitter, ja, aber wir lachen! Auch sind wir zu grossartigen «postponing artists» geworden, zu Verschiebekünstlern. Vorstellungen, Projekte, alles muss verschoben werden, um Wochen, um Monate. Mal fällt eine Vorstellung aus, weil ein Schauspieler aus Jerusalem nicht durchkommt, oder wir kriegen keine hawyye, keine Bewilligung, um in einer Dorfschule eines unserer Stücke spielen zu gehen. Wir haben aus diesem Grund extra ein Haus in Ramallah gemietet, damit alle zusammenbleiben können. Was passiert? Sie rücken mit Panzern in Ramallah ein, auch in unsere Strasse, und sie besetzen unser Haus, um es als Kommandoposten und Schiessstand gegen unsere eigenen Leute zu missbrauchen. Wir mussten zu Freunden ziehen. Wie unsere Wohnungen nach dem Abzug der Israelis aussahen, beschreibe ich besser nicht. Die Kinder? Kinder kriegen alles mit. Sie sehen und sie wissen alles. Als Iman Aouns elfjährige Tochter zum ersten Mal einen Panzer in den Strassen Ramallahs erspäht habe, habe sie bemerkt: «Aha, das ist also ein Panzer. Jetzt hab ich keine Angst mehr.» Ihr Sohn habe sogar ein geschärftes Auge für speziell schöne Pflanzen und Blumen auf dem zynisch Tora-Bora getauften, hochgefährlichen Checkpoint-Umgehungspfad entwickelt. Seit die israelische Borderpolice aber dort ein paar ‘illegal passierende’ Palästinenser mit aufgesetztem Zielfernrohr erledigt hätte, meide sie diese Alternative. Ins Ausland emigrieren? Nein. «Wir werden die Fehler unserer Grossväter nicht wiederholen. Wir flüchten nicht. Wir harren aus.»

Ramallah wirkt an diesem Tag erstaunlich lebendig und geschäftig. Überall Menschen, die Cafés sind offen, die Sonne scheint, kaum bewaffnete Polizisten oder Fatah-Milizionäre sind zu sehen, auch fast keine Spuren mehr von der letzten, nur ein paar Tage zurückliegenden Besetzung der Israelis. Panzerraupenspuren im Asphalt, umgeknickte Laternen, ein paar zusammengepresste, fast absurd flache Autowracks, ab und zu Einschusslöcher in Gebäuden und tonnenweise Müll auf peripheren Strassenrändern. Die Israelis haben die Kehrichtabfuhr aus «Sicherheitsgründen» strikt verboten.

Das Kasaba-Theater im Zentrum Ramallahs dagegen ist blitzsauber und brandneu. Bequem räkelt sich Intendant George Ibrahim in seinem Ledersessel, signiert Papiere, telefoniert und scheint keine Zeit zu haben. Sein Büro ist das exakte Remake einer deutschen Provinztheater-Chefetage. Pokale, Preise, Urkunden, Porträts und Theaterfotos spiegeln sich im riesigen Hitachi-Videomonitor, dessen vermuteter Ankaufspreis wohl einem kompletten Produktionsbudget entsprechen dürfte. Die seitlich an den Wänden angebrachte Besucherbank wurde etwas tiefer gelegt, so dass jedem höflich wartenden Besucher auch sofort körperlich klar wird, wo Gott hockt. Doch George Ibrahim hat seine Verdienste. Wortreich preist er die letzten Tourneeresultate seines Kasaba-Ensembles an. Erster Preis in Kairo, fünf Sterne in London! Und das mit einem Intifada-Stück! Der Plot? Ein kleiner Junge aus einem Lager bei Ramallah, Hollywood-Fan und glühender Van-Damme-Verehrer, hört von Freunden, dass sein Idol gerade in Jerusalem einen Film dreht. Nichts wie hin! Er schmuggelt sich unter Lebensgefahr an sämtlichen Checkpoints vorbei und kriegt unterwegs auch mit, dass Sharon den Tempelberg besuche mit einem Haufen Bodyguards! Sharon Stone! Cool!!! Und viele Polizisten, Soldaten und Statisten! Und echt anmutende Schiessereien. Doch sein «Film» endet tragisch. Ein kleiner Freund, den er dort trifft, fällt im Kugelhagel der Israelis und will nicht mehr aufwachen. Das versteht der Junge aus Ramallah nicht. Sterben für einen Film? Warum? «Hollywood ist mir zu echt und kann mich mal», denkt sich der Kleine und geht zurück in sein Lager bei Ramallah.

Man verabschiedet sich vom Direktor und macht mit Chaled al-Ayyam, dem Administrative Executive Director, einen Rundgang durchs Kasaba. Der neu gebaute Saal würde jeder deutschen oder schweizerischen Staatsbühne gut anstehen. Hunderte von modernen Scheinwerfern, bequeme Sitze, die Maschinerie hinter der Bühne auf dem neuesten Stand. Das Kasaba wird vierzehn Tage später Glück haben: Die Zahal-Soldaten werden bloss die Aussentüren sprengen und Theaterbilder von den Wänden schiessen. Das in der Nähe gelegene Chalil-Sakakini-Center – eine soziokulturelle Einrichtung – soll (nach übereinstimmenden telefonischen Aussagen) total verwüstet, alle seine Computer und Harddisks zerstört und viel Projektgeld von den Soldaten aus dem Safe geraubt worden sein.

Das Kasaba ist an diesem Abend gerammelt voll. Wole Soyinka, Breyten Breytenbach, José Saramago, Juan Goytisolo und andere sowie der Präsident des International Parliament of Writers, Russell Banks, geben sich die Ehre. Sie besuchen ostentativ ihren Kollegen Mahmud Darwisch in Ramallah, dem die Israelis die Ausreise verwehrten. Der Amerikaner Banks glänzt mit einer düsteren, in Englisch vorgetragenen Paraphrase über eine absurde neue Weltordnung, Soyinka liest nach einer sibyllinischen und politisch erstaunlich distanzierten Rede andächtig ein passendes Gedicht. Breytenbach liefert beklemmende Parallelen zur Entstehung der Apartheid in seiner Heimat, und Saramago versteigt sich unter anderem in die Bemerkung, der Kalandia-Checkpoint sei wie ein KZ. Worauf ihn später die in Ramallah lebende israelische Journalistin Amira Hass zur Rede stellt und ihn fragt, wo denn in diesem Fall die Gaskammern seien. Mahmud Darwisch, der palästinensische Vorzeigedichter und Exkampfgefährte Arafats, liest als Letzter. In seinem brillanten Hocharabisch findet er genau die richtige Mixtur zwischen verhaltenem Pathos und intellektueller Schärfe. Seine Gedichte beissen sich schmerzlich in die dumpfe Luft des überfüllten Saales, man würde eine Haarnadel fallen hören; wer sein Handy nicht abgestellt hat, kriegt den bösen Blick. Khamiila Jubran von der international bekannten Musikgruppe Sabreen spielt die arabische Laute und singt dazu das wunderschöne Lied «Ala feen» – wohin?». Sabreen heisst im Übrigen Geduld, und ist zusammen mit dem Wort Machsuum (hebräisch für Checkpoint) das zurzeit meistbenutzte Wortgespann in Palästina.

Ruedi Felder aus dem Luzernischen sieht genauso aus, wie man sich einen jungen, initiativen Schweizer Biobauer vorstellen würde. Glatze, blonder Haarkranz, fleischige Lippen und grüne, listige Augen. Biobauer war er auch mal, bevor es ihn vor vier Jahren ziemlich zufällig nach Ramallah verschlug. Schliesslich landete er am dortigen Konservatorium und unterrichtet seitdem täglich klassische Gitarre. Die Besetzung der Israelis sei schon sehr heavy gewesen, vier Tage habe er sich kaum ans Fenster gewagt, geschweige denn auf die Strasse, die Israelis hätten auf alles geschossen, was sich bewegt habe. Richtig Schiss habe er aber erst gekriegt, als irgendwelche palästinensische Milizen begonnen hätten, aus seinem Garten heraus israelische Panzer zu beschiessen. An Unterricht sei natürlich in diesen Tagen nicht zu denken gewesen, auch hätten seine Schüler – obgleich die meisten aus besseren Verhältnissen stammten – in der letzten Zeit generell mehr Mühe, die bescheidenen Unterrichtskosten zu berappen. Die durch den israelischen Würgegriff ruinierte Wirtschaft produziere immer mehr Armut, sogar bei vermögenderen Leuten. Dem kann Manfred Wüst, Leiter des Goethe-Instituts in Ramallah, ein ruhig und besonnen formulierender, sympathischer Mittfünfziger, nur beipflichten: Nur wenige Projekte seien noch realisierbar. Künstler, die er aus Europa oder aus arabischen Ländern zu Lesungen, Konzerten oder Projektbesprechungen eingeladen habe, seien entweder nicht durchgelassen worden oder gar nicht erst hergeflogen. Aufgrund der ungeheuren Verdichtung der hiesigen lokalen Ereignisse in den westlichen Medien ermuntere er aber die Leute, trotzdem herzukommen. So schlimm sei es nicht immer, die Lage meist ruhiger und somit das Risiko vertretbarer, als es in Europa den Anschein mache.

Vier Uhr abends. Dunkle, gelb drohende Wolken, dicht über den lädierten Dächern des Lagers Kalandia hinwegfegend. Eiskalter Wind. Blockiert am Kalandia-Checkpoint. Drohend die Gewehrläufe auf uns richtend, bedeuten uns die israelischen Soldaten umzukehren. Warum? Mit hochgeschobenem Hemd und aufgerichteten Armen, in der einen Hand das privileggebende Leuchtrot des Schweizerpasses schüchtern schwenkend, schreitet man beschwichtigend zurück, unternimmt vielleicht einen letzten Versuch, feilschend doch noch die Passage nach Jerusalem zu erzwingen. Doch es ist nichts zu machen. Irgendwo fallen Schüsse. Man gewöhnt sich fast daran und zuckt nicht gleich zusammen. Abends in Ramallah in der bescheidenen Hotelküche versammeln sich alle vor dem Fernseher: Nathanya. Sprengstoffanschlag. Bisher sechzehn Tote. Allgemeiner Tenor unter der Belegschaft: Wir mögen diese Sprengstoffanschläge nicht. Aber es ist die Waffe der Verzweifelten. Sollen die nur fühlen, wie wir uns immer fühlen. Aber es gefällt uns nicht. Wenn sie israelische Soldaten töten, ja, das ist legitim, schliesslich ist Krieg, oder? Draussen tobt ein heftiges Gewitter. Blitze und Donner. Ein paar Milizen rotten sich zusammen, skandieren heiser unverständliche Slogans, schwingen dabei klatschnasse Palästina-Fahnen und verschwinden in der Nacht.

Mahmoud Hashhash, Project Manager bei der A. M. Quattan Foundation, stammt aus dem südlich von Hebron gelegenen Flüchtlingslager Fawar. Er konnte an der BirZeit-Universität studieren, arbeitete lange im Popular Art Center und schreibt Lyrik. Erste Übersetzungen ins Englische und Französische liegen vor. Die Quattan Foundation hänge nicht ausschliesslich am Tropf ausländischer Stiftungen oder NGOs, sie sei einem reichen Diaspora-Palästinenser zu verdanken. Die Absicht ist, mit den vorhandenen Geldern Stipendien an begabte palästinensische Nachwuchskünstler in verschiedenen Sparten zu vergeben. Auch arbeite die Foundation schon länger an einem «children education center» in Gaza. Kindertagesstätten und Bibliotheken sollen dort entstehen, auch Kurse möchte man anbieten. Aber das Projekt ist sistiert. Seit längerem sei es für Westbank-Palästinenser unmöglich, nach Gaza zu reisen. Und schaffe man es trotzdem, käme man mit Sicherheit nicht mehr raus. Mahmoud zeigt später auf eines der unzähligen auf Häuserwände geklebten Plakate mit den Porträts gefallener Märtyrer. Sein Freund sei das gewesen. Und ein sehr guter Dichter. An der Bir-Zeit-Universität habe er zuletzt gearbeitet. Müde von all den akademischen Diskussionen, von der Aussichtslosigkeit, vom allseits fehlenden politischen Horizont habe er, der radikale Dichter, zur Waffe gegriffen und angefangen, gegen die Israelis zu kämpfen. Vor ein paar Tagen hätten sie ihn erschossen.

Tayseer Barakat, Maler und Besitzer des Café Ziryab in Ramallah, meint: «So schlecht geht es mir nicht. Ich kann hier ausstellen, auch wenn ich nichts verkaufe. Am Institut du Monde Arabe in Paris lief eine Ausstellung von mir. Die Intifada hat mein Schaffen zwar stark beeinflusst, aber nicht eingeschränkt. Ich versuche heute, mich eher auf das Wesentliche zu konzentrieren, auf das Einfache, auf die Reduktion. Und: Ich habe das Privileg, die Intifada im Gegensatz zu vielen andern verarbeiten zu können.»

Checkpoint Kalandia. Heute scheint es wider Erwarten zu klappen. Das nächtliche Gewitter hat tiefe Schlammseen hinterlassen. Die Taxis drängeln im Dieselgestank auf engstem Raum, eine Ordnung ist nicht erkennbar, dem Auge bietet sich ein dreckbespritztes, feuchtes und vom unbarmherzigen Winde verwehtes entwürdigendes Spektakel. Männer tragen schützend in dicken Decken eingehüllte Kleinkinder, die Frauen halten ihre flatternden Kopftücher fest, raffen resolut ihre Mäntel hoch, balancieren vorsichtig auf ihren Schuhen durch die Pfützen und stellen sich in die Warteschlange. Letztere ist gross, und nur die wenigsten werden durchgelassen. Zwei Stunden später wird der Checkpoint für lange Zeit schliessen.

Die Show im YMCA in Ostjerusalem ist vorbei. Tarek hat es geschafft. Der Dabke-Tanz verlief optimal, niemand tanzte allzu offensichtlich aus der Reihe, und die dazwischenliegenden Theaterszenen wurden von ihm erfolgreich gekürzt. Keine Spur von Peinlichkeit, ein sympathischer Abend, der Applaus der anwesenden Jerusalemer und einer Hand voll europäischer Friedensaktivisten ist zwar kurz, aber dennoch warm und herzlich. Tarek lehnt erschöpft am Tresen, raucht und trinkt Mineralwasser aus einer hebräisch beschrifteten Pet-Flasche. «Eigentlich sollte man dieses Wasser boykottieren», meint er, «die Marke wird in einer jüdischen Siedlung hergestellt ...» Aber was solls, heek id dinya, so ist das Leben. «Eine Frage, Tarek, du Ornithologe, warum liebst du eigentlich die Vögel?» Tarek überlegt kurz, legt seine nasse Stirn in kümmerliche Falten und meint müde:«I don’t know.».

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