Nr. 22/2016 vom 02.06.2016

Gefallen am Nichtstun

Von Stephan Pörtner

Der Versuch, die Langeweile mit Nichtstun zu bekämpfen, zeitigte zwiespältige Resultate. Lattenhofer, der die Langzeitstudie an sich selbst durchführte, konnte zwar nachweisen, dass das Nichtstun gegenüber langweiligen Tätigkeiten erheblich besser abschnitt, nicht aber, dass es grundsätzlich als anregender und nachhaltiger Zeitvertreib für die breiten Volksmassen propagiert werden konnte, um diese von den ressourcenintensiveren und nach Lattenhofers gestrenger Ansicht verrohenden Beschäftigungen abzuhalten, zu denen er insbesondere die sportliche Betätigung und den Medienkonsum zählte. Zum Erreichen dieses hehren Ziels hätte es aufwendiger Nachstudien sowie hartnäckiger Lobbyarbeit bedurft, zu denen sich Lattenhofer, der am Nichtstun grossen Gefallen gefunden hatte, einfach nicht aufraffen konnte.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.wozch/shop/buecher zu haben.