19.08.2004

Hungerstreik

Von Armin Köhli

Gefangenschaft gehört zum palästinensischen Alltag. Kaum ein Mann in der Westbank, der nicht einmal in einem israelischen Gefängnis sass – oft in einer bis zu sechs Monate dauernden «Administrativhaft», ohne Anklage, ohne Vergehen. Zurzeit sind über 7500 PalästinenserInnen in israelischen Gefängnissen und Lagern aller Art eingesperrt. Über 3800 befinden sich in Anstalten, die von der Israelischen Gefängnisbehörde betrieben werden, darunter sind 106 Frauen und 78 Kinder unter sechzehn Jahren. Am Sonntag begannen rund 1600 von ihnen einen unbefristeten Hungerstreik. Gefangene in Militärgefängnissen wollen sich diesem Hungerstreik allenfalls später anschliessen. Die Gefangenen stellen keinerlei politische Forderungen, sondern protestieren gegen ihre Haftbedingungen. Eine kleine Auswahl aus dem insgesamt 146 Punkte zählenden Forderungskatalog:

• Die Erlaubnis, bei Besuchen von Angehörigen Fotos zu machen

• BesucherInnen sollen eine unbegrenzte Zahl von Fotos von Verwandten mitbringen dürfen

• Bei Besuchen sollen verschiedene Getränke erlaubt sein, nicht nur Sprite

• Gefangene sollen medizinische Matratzen, Kissen und Schuhe sowie einige Medikamente kaufen dürfen

• Die Strafmassnahme Isolationshaft soll höchstens eine Woche dauern. Die Isolationszellen sollen ein Waschbecken erhalten sowie einen Zugang zu einer Toilette

• Abschaffung der Strafe, Weiterbildung zu verbieten

• Karate soll als Freizeitsport wieder erlaubt werden

• Gefangene sollen Leselampen, Elektrorasierer und Ventilatoren kaufen dürfen, zudem soll nicht nur ein elektronisches Wörterbuch zugelassen werden

• Winterjacken sollen erlaubt werden

• Während Durchsuchungen sollen Gefangene nicht in Handschellen gefesselt werden

• Während Transporten sollen Gefangene nicht aneinander gefesselt werden

• Die Gefängnisordnung soll überall auf Arabisch erhältlich sein

• Keine männlichen Wärter mehr in den Frauenabteilungen

• Gefangene mit Amputationen sollen mit Prothesen versorgt werden

Ausserhalb der Gefängnisse sind Solidaritätsaktionen geplant oder schon im Gange. Angehörige stellten Solidaritätszelte in allen Städten der Westbank auf, und nach dem Freitagsgebet und der Sonntagsmesse werden PalästinenserInnen innerhalb Israels vor den Gefängnissen demonstrieren. Am 26. August 2004 wird Arun Gandhi, der Enkel von Mahatma Gandhi, in Ramallah eine Grossdemo anführen. Schliesslich hoffen die Gefangenen auf internationale Unterstützung: Der 4. September soll zu einem internationalen Tag der Solidarität mit den palästinensischen Gefangenen werden.