«Anders denken, anders erziehen, anders arbeiten»

WOZ-LeserInnenreise vom 13. bis 20. Oktober 2018

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Liebe Leserin, lieber Leser

Wir freuen uns über das rege Interesse an unserer WOZ-LeserInnenreise nach Reggio Emilia. Leider ist sie jetzt schon ausgebucht. Wenn Sie möchten, nehmen wir gerne Ihren Namen, Ihre Adresse, Ihre Telefonnummer und E-Mail-Adresse entgegen, setzen Sie auf die Warteliste und benachrichtigen Sie, falls kurzfristig jemand abspringen sollte.

Herzliche Grüsse

Ihr WOZunterwegs-Team

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PartisanInnen, Genossenschaften, Reggio-Pädagogik und die Linke

Ende April 1945: Die deutschen Nazis und die italienischen Faschisten sind besiegt, Italien ist befreit – die Zukunft steht offen. Aber wie soll diese aussehen, worauf soll die neue Demokratie gründen? Die Partisaninnen, die in den Monaten und Jahren zuvor ihr Leben riskierten, wollen jedenfalls nicht mehr zurück an den Herd, und sie wollen auch ihre Kinder nicht in katholische Kindergärten schicken. Und so entsteht eine neue Frauenbewegung und mit ihr eine Vorschulerziehung, die inzwischen weltweit bekannt ist: die Reggio-Pädagogik.

Was sie dazu gebracht hat, sich auch nach dem Ende der Besetzung politisch zu engagieren, erzählt uns auf dieser Reise Giacomina Castagnetti, mittlerweile 92 Jahre alt und eine von nur noch wenigen Mitgliedern der Resistenza, die heute noch leben. Interessant ist auch die Geschichte der Bevölkerung von Nonantola, die 1943 zusammenstand und rund neunzig jüdischen Jugendlichen die Flucht in die Schweiz ermöglichte. Wir treffen zwei ZeitzeugInnen.

Zweiter Schwerpunkt der Reise sind Besuche von Einrichtungen der Reggio-Pädagogik. Der Begriff umschreibt kein Modell, kein festes Konzept, sondern eine Erziehungsphilosophie, die die Kreativität und die Wissbegierde der Kinder in den Mittelpunkt stellt – und das kollektive Lernen, das kooperative Arbeiten. Wie das in der Praxis funktioniert, erfahren wir vor Ort und in Gesprächen mit ExpertInnen.

Wie bedeutsam dieser Ansatz ist, zeigt der dritte Schwerpunkt. Nirgendwo in Europa ist der Genossenschaftsgedanke so präsent (und so alt), nirgendwo wirtschaften so viele Kooperativen wie in der Provinz Reggio Emilia. Wie kommen sie mit der Wirtschaftskrise zurecht, die auch Italien seit 2008 beutelt? Wir sprechen mit erfahrenen GenossenschafterInnen, lassen uns durch Betriebe führen und erleben eine Kultur des kollektiven Wirtschaftens, die viele Bereiche umfasst.

Die einst vorwiegend «roten» Kooperativen (und der Kampf vieler GenossenschafterInnen in der Resistenza) haben erheblich dazu beigetragen, dass die Region Emilia Romagna über Jahrzehnte hinweg eine Bastion der Linken blieb. Aber wie sieht es heute aus? Mit welchen Problemen schlagen sich die Gewerkschaften herum? Haben die Interessenvertretungen der Lohnabhängigen noch eine Perspektive? Und wie steht es um die sozialen Bewegungen, die vor nicht allzu langer Zeit die Mächtigen in Italien vor sich hergetrieben haben? Auch diese Fragen greifen wir auf. Reisen Sie mit!

Pit Wuhrer

Reisedaten

13. bis 20. Oktober 2018

Programm

Das detaillierte Reiseprogramm als PDF zum Download

Unterkunft / Preise / Leistungen

Preise pro Person (inklusive Frühstück):

Hotel Morandi (www.albergomorandi.com)
Doppelzimmer: Fr. 1750.–
Einzelzimmer: Fr. 1850.–

Jugendherberge
Mehrbettzimmer: Fr. 1450.–
Doppelzimmer: Fr. 1550.–

Nur Programm: Fr. 1300.–

Zuzüglich Zugreise (je nach vorhandenem SBB-Abonnement) zwischen Fr. 100.– und Fr. 300.–.

Die einzelnen Programmpunkte der Reise werden ins Deutsche übersetzt.

Die angegebenen Preise sind Richtpreise, die sich je nach Wechselkurs und Anzahl TeilnehmerInnen noch leicht ändern können. Individuelle Wünsche wie zum Beispiel Aufenthaltsverlängerungen können Sie bei der Anmeldung im Bemerkungsfeld angeben. Wir versuchen, diese zu organisieren, können aber keine Garantie dafür abgeben. Wie informieren Sie jeweils so bald wie möglich. Drei gemeinsame Mahlzeiten sind im Reisepreis inbegriffen. Auf dem Programm finden Sie die entsprechenden Hinweise.

Die Reise wird fotografisch dokumentiert. Ausserdem nehmen wir – wenn möglich – die Referate und Gespräche auf. Die Bilder und Tonaufnahmen werden allen Mitreisenden später auf einer DVD zur Verfügung gestellt.

Bitte beachten Sie, dass die Zahl der ReiseteilnehmerInnen beschränkt ist. Für den Fall, dass die Mindestzahl Reisender unterschritten wird, behält sich die WOZ eine Verschiebung oder Stornierung der Reise vor. Kurz nach dem Anmeldeschluss wird Ihnen mitgeteilt, ob die Reise stattfindet.

Bei Fragen zu dieser Reise wenden Sie sich per E-Mail an unterwegs@woz.ch oder rufen Sie uns an: +41 (0)44 448 14 83. Wir freuen uns, wenn Sie mit uns reisen.

Literatur

  • Matthias Durchfeld, Steffen Kreuseler: «Sentieri Partigiani», ein Online-Wanderführer, initiert vom Istoreco: www.sentieripartigiani.it/de/
  • Matthias Durchfeld, Steffen Kreuseler (Hg.): «Gli occhi di …». Erinnern wir uns an die Augen von …: Geschichten und Berichte von widerständigen Menschen. Italienisch/englisch/deutsch. Siehe auch: www.gliocchidi.it
  • Bettina Dyttrich/Pit Wuhrer (Hg.): «Wirtschaft zum Glück. Solidarisch arbeiten – heute, weltweit». Mit einem Kapitel zu den Reggio-Gewerkschaften. Rotpunktverlag. Zürich 2012. 272 Seiten.
  • Gerhard Feldbauer: «Die Resistenza. Italien im Zweiten Weltkrieg». PapyRossa Verlag. Köln 2014. 128 Seiten.
  • Friederike Hausmann: «Kleine Geschichte Italiens. Von 1943 bis zur Ära nach Berlusconi». Verlag Klaus Wagenbach. Berlin 2006 (vergriffen).
  • Stuart Hood: «Carlino. Eine Geschichte aus dem Widerstand». Übersetzt von Stefan Howald. Edition 8. Zürich 2002. 207 Seiten.
  • Tassilo Knauf: «Reggio-Pädagogik – kind- und bildungsorientiert». Im Kita-Handbuch: www.kindergartenpaedagogik.de/1138.html
  • Sabine Lingenauber (Hg.): Handlexikon der Reggio-Pädagogik. Verlag Projekt. Bochum 2016 (6. Auflage). 172 Seiten.
  • Giacomo Notari: «Ihr Partisanen, nehmt mich mit Euch! Ein Bericht aus der Resistenza». Übersetzt von Steffen Kreuseler. PapyRossa Verlag. Köln 2015. 160 Seiten.
  • Hans Woller: «Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert». C.H. Beck. München 2010.
  • Videozeugnisse von antifaschistischen WiderstandskämpferInnen: www.resistance-archive.org/en/
  • Das Erinnerungsportal «Gedenkorte Europas» enthält auch Seiten

Das sagen TeilnehmerInnen über unsere bisherigen WOZ-Italien-Reisen:

In der Hoffnung, mit interessierten Leuten möglichst viele Informationen, Eindrücke und bleibende Berührungen zu bekommen, bin ich erstmals mit einer Gruppe mitgereist. Meine Hoffnungen wurden mehr als erfüllt. Die Unkompliziertheit der Gruppe, die fundierte und sachliche Leitung durch Istoreco-Mitarbeiter, tief berührende Begegnungen mit Partisaninnen und Partisanen ebenso wie das kurze Eintauchen in ein anderes Italien machten die WOZ-Reise zu einem mehr als lohnenswerten Ereignis. Eine Woche lang Wissen zu erweitern, zu diskutieren und die Konfrontation mit dem eigenen Denken und Handeln zu reizen – das ist Grund genug, wieder einmal eine Gruppenreise zu riskieren.
Christine Tomaschett

Die sehr gut aufgebaute Reise nach Reggio Emilia haben mir viele Fenster zur Geschichte Italiens und des Zweiten Weltkrieges geöffnet. Die letzten Zeitzeugen der Partisani berührten mich durch ihre politische Arbeit und ihr gefährliches Engagement. Bilder des nördlichen Apennin und dem Monte Sole (…) vermischt mit den Erinnerungen der letzten Kriegsjahre 1944/45 bleiben lange in meinem Innern haften. Es war eine politische Reise mit grosser Nachhaltigkeit über das Italien von früher und heute (mit der Krise der Linken in der Berlusconi-Zeit). Danke Euch allen für die Organisation der Reise, auch dem Istoreco in Reggio, die hervorragend organisiert und übersetzt haben. Dass zwei junge Deutsche uns die Zeitgeschehnisse übermittelt haben, fand ich unheimlich wichtig. Die verlassenen Dörfer und Kirchen als Zeitdokumente auf dem Monte Sole mit ihrer Geschichte sind unfassbar. (…) Gerne bin ich wieder einmal auf einer Reise mit der WOZ dabei und lese sie jetzt wacher, wenn ich die Zeitung am Donnerstag im Briefkasten vorfinde.
Josiane Aepli

Eine intensive und zuweilen harte Lektion in italienischer (europäischer) Geschichte und Politik. Die Woche war anregend und sehr gut aufgebaut durch die Leute vom Istoreco, berührend und beeindruckend durch die Gespräche mit den ZeitzeugInnen und aufgelockert durch die wunderschöne zweitägige Bergtour durch eine prächtige Herbstlandschaft. Das alles gemeinsam mit einer angenehmen, politisch interessierten Gruppe von Menschen aus vier Ländern. Meine allererste Gruppenreise war wohl nicht die letzte, falls die WOZ noch andere organisieren sollte.
Leslie Lehmann

Was mich zur Anmeldung bewog waren das Thema und die Destination. Ohne konkrete Vorstellungen trat ich die Reise an und war gespannt auf die erste Begegnung mit der zusammengewürfelten Gruppe, die eine Woche lang als Schicksalsgemeinschaft sich dem gewählten Thema annähern würde. Und jetzt, aus dem Rückblick, sage ich: Ich bin sehr sehr zufrieden. Was ich hervorheben möchte:
– Relativ lange Dauer der Reise, resp. des Aufenthaltes hat Vorteile;
– Top-Leiter und -Begleiter an Ort (fundiertes Wissen, lokalkundig, menschenfreundlich, gelassen);
– Programmzusammenstellung sehr gut;
– «Erfahren» und Verweilen an den verschiedenen Stätten;
– Angenehme Gruppe: unkompliziert, wohlwollend, Gelegenheit für persönliche Begegnungen.
Herzlichen Dank der WOZ und allen, die das gute Gelingen ermöglicht haben.
Lis Haupt

Das Programm war sehr interessant, vielfältig und gut dosiert – einerseits in der Verteilung der drei Apekte (PartisanInnen, Genossenschaftsbewegung, Reggio-Pädagogik) über die Woche, andererseits in den Tagesprogrammen.
Die Reiseleitung vom Istoreco beeindruckte durch ihre Kompetenz und ihr Wissen. Sie brillierte mit ihrem einfühlsamen und herzlichen Umgang mit den Gewährspersonen. Die interessanten Darstellungen dessen, was die Gewährspersonen sagten, waren fast druckreif.
Beeindruckend war der Einblick in den jahrzehntelangen Widerstand gegen politische und wirtschaftliche Verhältnisse und die kreative Suche und Umsetzung von Alternativen. Ich habe diese Verhältnisse nicht gekannt und hätte nicht geglaubt, dass es hier diese Vielfalt, diese Kreativität, dieses Engagement gibt.
Res Krummen

Vorausschicken muss ich, dass ich normalerweise keine Gruppenreisen mache und auch gerne alleine unterwegs bin. Umso positiver habe ich unser Zusammensein während dieser Woche erlebt. Das Reiseprogramm hatte mich aufgrund meiner eigenen Familiengeschichte (siehe weiter unten) spontan angesprochen. Gefallen hat mir die Kombination von politisch-historischer Reise und Wanderung. Mathias und Steffen (vom Istoreco) waren nicht nur äusserst kompetent in ihrem Wissen, sondern auch ausserordentlich achtsam und einfühlsam mit den PartisanInnen (und uns). Ich habe viel erfahren und gelernt, was mir früher nicht so klar war. Die PartisanInnen habe mich ausserordentlich berührt und beeindruckt: ihre Lebensgeschichte, ihre Kraft und Ausstrahlung und auch ihr Humor – nach all dem Leiden! Eine Frage bleibt offen: Was ist mit all denen, welche daran zerbrochen sind – falls sie es überhaupt überlebt haben? Wo sind die heute? Wie geht es ihnen? Werden diese ‹alten Geschichten› in den Familien heute noch thematisiert? Darüber haben wir nichts gehört –oder habe ich es verpasst? Schön war auch das abwechslungsreiche Zusammensein und das sich Näherkommen in der Gruppe und die gemeinsamen Abende, die ja nicht zwingend waren.
Marianne Fink

Die WOZ-Reise in die Vergangenheit des italienischen Nationalstaats hat für mich die Gegenwart erklärt und lässt mögliche Zukünfte aufscheinen. Ich habe einen für mich wichtigen Aspekt der italienischen Geschichte kennengelernt. Die Reise war sehr informativ und mit viel Herzblut organisiert, dass ich mich sowohl in der Region wie in der Gruppe aufgehoben fühlte.
Peter Waldvogel

«Ang'rührt» sagen wir in Ostösterreich, wenn jemand dünnhäutig ist, oder empfindlich. Dabei war ich nur neugierig und skeptisch auf dem Weg nach Reggio Emilia. Ang'rührt war ich bald und bin's geblieben: Beeindruckt von den Erzählungen der PartisanInnen, ihrer Haltung, den wachen Augen der Widerstandskämpferin Giacomina. Berührt davon, wie sehr ihre Geschichten in der Gegenwart spielen. Und wie sich die Fäden, die wir im Lauf der Woche aufgenommen haben und die Geschichten des vergangenen und heutigen Europas mit meinem Leben verwoben haben. Ang'rührt bin ich wieder gefahren, voll Zuneigung zu diesem Teil Italiens, skeptisch, und viel neugieriger noch, als ich gekommen bin.
Heidrun Aigner

Eine Woche mit einem geschichtlichen Thema und einer Gruppe von Individualisten in einer italienischen Kleinstadt. Kann das gut gehen? Es kann, und zwar sogar sehr gut. Unsere lokalen Begleiter und Übersetzer, die greisen, vitalen ZeitzeugInnen und die italienischen ExpertInnen haben uns in dieser Woche die Partisanenbewegung und italienische Geschichte nahe gebracht. Wir haben uns dieses Wissen erlaufen, ersessen und erstanden und waren betroffen und berührt. Dass man sich auch in der Gruppe wohlfühlte, war vielleicht ein Glücksfall oder aber ein Ergebnis der ‹WOZ-Selection›. Ich bin nach einer Woche müde, aber mit einem erfrischten Kopf in die Schweiz zurückgefahren. Besten Dank an alle Beteiligten und viel Mut zu weiteren so interessanten Projekten.
Noldi Stettbacher