M4Music: Wieder viel guter Wille

Nr. 12 –

Über dem M4Music-Festival, das neben dem Konzertprogramm vor allem als Treffpunkt der Schweizer Musikszene dient, hängt immer auch ein Hauch von Betriebswirtschaft und Karriereförderung. Da wirkte der wütende Postpunk von Asbest wie willkommener Sand im Getriebe. Unter den düsteren Wolken über dem Platz vor dem Zürcher Schiffbau kamen ihre düsteren Soundwände zudem wunderbar zur Geltung. An der Preisverleihung am Samstag standen Asbest dann plötzlich im Licht der Scheinwerfer: In der Demotape Clinic, dem jedes Jahr veranstalteten Nachwuchswettbewerb, gewann die Band für ihren Song «They Kill» in der Kategorie Rock und auch den Gesamtpreis.

Bahnbrechende Erkenntnisse förderten die vielen Podien und Vorträge an den beiden Festivaltagen im Schiffbau nicht zutage. Doch die Themensetzung zeigte guten Willen und vielerorts die richtige Stossrichtung. Für politische Relevanz sorgte etwa die Rapperin Sookee, die sich im Rahmen einer Veranstaltung zu «Diversity» als Botschafterin für die antifaschistische und queere Rapszene engagierte. Oder der Buchautor Berthold Seliger, der den globalen Konzertmarkt mit markigen Worten und Zitaten von Brecht und Adorno als monopolkapitalistische Maschinerie sezierte. Doch oft ging es vor allem ums Business – wie bei einem Podium zu Musikjournalismus, wo man gar nicht erst zur Frage von dessen gesellschaftskritischer Funktion vorstiess.

Am M4Music, das vom Migros-Kulturprozent getragen wird, lässt sich dafür ablesen, wie sich die Schweizer Musikszene entwickelt. Während sich musikalisch in letzter Zeit qualitativ viel verbessert hat, zeigen jetzt auch die Zahlen einen Aufwärtstrend. Schätzungen zufolge steigt der Anteil der Musik von Schweizer KünstlerInnen am Schweizer Markt beträchtlich, liegt beim wichtigen Streaming aber noch sehr tief. Das kommerzielle Glück der hiesigen Szene hängt also auch davon ab, ob Konzerne wie Spotify ihre Algorithmen in Zukunft weniger unvorteilhaft für sie einstellen, als das heute der Fall ist.