Nr. 16/2019 vom 18.04.2019

Die grosszügige Lösung

Von Karin Hoffsten

Es war ja schon viel schlimmer. Im Krieg, zum Beispiel, standen werdende Schweizer Väter nicht vorm oder im Kreisssaal, sondern an der Grenze, weshalb ihnen das Neugeborene erst Monate später unter die Augen kam. Im zivilen Leben haben Männer einen Tag zur Verfügung, um den frischen Nachwuchs beäugen und anfassen zu können – genau so viel wie zum Zügeln. Dann gehen sie wieder zur Arbeit und sehen die Kleinen nur noch am Wochenende bei Tageslicht. Aber an einem Tag hat man ja auch in einer neuen Wohnung noch nicht alles ausgepackt.

Nun fordert eine Initiative vier Wochen Vaterschaftsurlaub, was zwanzig bezahlten Urlaubstagen entspräche. Doch aus Kreisen, in denen von jeher alles abgelehnt wird, was sozial ist und Geld kosten könnte, ertönt Heulen und Zähneklappern – man befürchtet die landesweite Verelendung.

Um die Gemüter zu beruhigen, gibts einen indirekten Gegenvorschlag, der nur zehn freie Arbeitstage oder – mit Wochenende – zwei Wochen umfasst; den hiess die zuständige Ständeratskommission Anfang der Woche gut. Um vorherzusagen, für welche Variante sich unser Parlament entscheiden wird, muss man nicht hellsichtig sein.

Aber zwei lange Wochen sollten schliesslich auch dem tollpatschigsten Jungvater genügen, um zu lernen, wie man eine Windel wechselt und wie lange man ein Baby tätschelnd herumträgt, bis ein Bäuerchen kommt.

Mehr brauchts nicht – die schlafen ja immer.

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