Nr. 24/2008 vom 12.06.2008

Auf Spurensuche

Von Paul L. Walser

«Obwohl es lange her ist, dass das Griechische die internationale Verkehrssprache des östlichen Mittelmeerraums war, kann man bis in unsere Tage auch ausserhalb Griechenlands, von Emigranten der neueren Zeit abgesehen, griechischen Sprachträgerinnen und -trägern begegnen. Der Bogen spannt sich von Unteritalien bis in den Kaukasus.»

Diesen Bogen haben drei Österreicher - Bernhard Gassner, Kunrich Gehrer und der Fotograf Paul Rachbauer - erkundet. Dabei haben sie erstaunliche Funde gemacht, die nun in einem schönen Band vorliegen. Die Texte erscheinen auf Deutsch wie auf Griechisch (Übersetzung ins Griechische: Gabriel Tsaligopoulos). Die Herausgeber betonen, keine wissenschaftliche Arbeit vollbracht zu haben. Sie wollten einfach eine Antwort aus erster Hand auf die Frage nach der heutigen Präsenz der griechischen Sprache ausserhalb Griechenlands.

Die Spurensuche beginnt mit den griechischen Sprachinseln in Süditalien. Ein apulisches Dorf heisst Kalimera (so lautet der griechische Gruss: Guten Tag!), und darauf bezieht sich der Titel des Buchs, der einem Gedicht von Ernesto Aprile entnommen ist: «Du bist keine Fremde hier in Kalimera». Die zweite Etappe ist die Türkei - die Südküste des Schwarzen Meers bei Trapezunt, wo in einzelnen Ortschaften noch stets das «pontische Griechisch» oder «Rumscha» gesprochen wird, und Istanbul, das ehemalige Konstantinopel, Sitz der letzten offiziellen Griechenkolonie in diesem Land. Es folgen die seit 1974 in einen griechischen und türkischen Teil gespaltene Mittelmeerinsel Zypern, Armenien, in dem auch während der Sowjetzeit griechische Diasporagemeinden existierten, sowie Syrien, wo die österreichische Reisegruppe auf Nachfahren einstiger muslimischer KreterInnen stiess, die untereinander noch immer einen kretischen Dialekt sprechen.

Den Abschluss bildet ein Kapitel zum griechischen Alphabet und zu mannigfaltigen «Querverbindungen», die sich den neugierigen Forschern auftaten.

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