Nr. 29/2008 vom 17.07.2008

Sommerroman

Von Christiana Puschak

Heiter beschwingt nimmt der Roman «Die Welt ist blau» die LeserInnen mit auf die Reise eines verliebten Paars in die Sommerfrische nach Ascona: «Diese Reise soll Einsicht bringen und Entscheidung.» Ursula Eisenlohr ist Anfang zwanzig, bereits studierte Agrarwissenschaftlerin, optimistisch, vital, weltoffen und mit einem «kräftigen Willen» ausgestattet. Das männliche Pendant hingegen, der Rechtsanwalt Peter Mack, ist scheu, skeptisch, unbeholfen, gehemmt, gehetzt und lässt sich vom Beruf tyrannisieren. Unterschiedlicher also könnten die Temperamente der beiden nicht sein, doch «Hetze und Freude ist gar nicht wie Äpfel und Birnen, die sich nicht zusammenzählen lassen, man muss nur den gemeinsamen Nenner finden».

Auf der Suche nach ebendiesem Nenner wird das ewig junge Spiel zwischen Nähe und Distanz, Vertrauen und Eifersucht, Bindung und Autonomie inszeniert und belebt. Beide sind Gefühlsverwirrungen ausgesetzt, die zu einer Belastungs- wie Bewährungsprobe ihrer noch zarten Beziehung werden. Sie verlassen das mondäne Ascona und schliessen in der Abgeschiedenheit des Luftkurortes Bignasco einen Beziehungsvertrag, versprechen sich ausdrücklich Offenheit, Einsicht und Menschlichkeit. In diesem Beziehungsvertrag lässt Ursula einen weiteren Paragrafen aufnehmen, dem der Roman seinen Titel verdankt: «Also ich fordere, dass die Welt blau ist, auch wenn sie grau scheint, muss sie blau sein ...!»

Mit filigranen Anspielungen rückt der Roman die Beziehung in den Kontext der politischen Entwicklung in Deutschland des Jahres 1933. Zeichen der Zeit fliessen ein, wenn es heisst: «Lassen wir das Tiefland, Peter, das Primitivland, wir wollen es vergessen.» Was sich ebenso wenig einlösen lässt wie der Vorsatz, nicht von Politik zu reden.

Der mit leichter Feder geschriebene Roman ist als Aufruf an die Humanität zu verstehen, als Abkehr von «Streit, Hass, Lüge, Bosheit, Rache» und als Absage an ein menschenverachtendes Regime.

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