Nr. 37/2010 vom 16.09.2010

Journalismus als Leidenschaft

Das WOZ-Kollektiv

Die dominierenden Medienkonzerne von Zürich räumen weiter auf. Die News klingen allerdings nach alten Nachrichten: Tamedia hat diese Woche bekannt gegeben, dass der Konzern erneut fast vierzig JournalistInnen entlässt. Im letzten Jahr waren es über fünfzig RedaktorInnen und zwanzig freie MitarbeiterInnen, die gehen mussten.

Diesmal trifft es vor allem MitarbeiterInnen der Lokalredaktionen des «Tages-Anzeigers» – weil Tamedia vor kurzem von der «Neuen Zürcher Zeitung» die beiden Lokalzeitungen «Zürcher Unterländer» und «Zürichsee-Zeitung» übernommen hat. Im Gegenzug überliess Tamedia der NZZ-Gruppe die «Thurgauer Zeitung».

Die beiden Medienhäuser teilen sich die Schweiz weitgehend auf. Die NZZ-Gruppe kontrolliert inzwischen die Ostschweiz, Tamedia die ländlichen Gebiete von Zürich, den Kanton Bern und einen Grossteil der Westschweiz – zudem überschwemmt der Konzern mit dem Gratisblatt «20 minuten» die ganze Schweiz. Ein Störmanöver gegen die Vorherrschaft der Zürcher Medienoligarchen kommt indes aus Basel, wo sich die rechten Financiers der «Weltwoche» nun auch die «Basler Zeitung» angeeignet haben und damit Grosses vorhaben dürften.

Unabhängig davon nutzen die Medienhäuser den Einbruch im Inseratemarkt, um die Redaktionen massiv abzubauen. Im letzten Jahr haben rund 500 JournalistInnen den Job verloren, und ein Ende dieser Entwicklung scheint nicht in Sicht. Das Internet und der Onlinejournalismus setzen die Printmedien zusätzlich unter Druck; auf diese Herausforderung haben die Medienkonzerne bisher keine Antwort gefunden. Die Redaktionen sehen sich mittlerweile denselben ökonomischen Zwängen ausgesetzt wie eine Schraubenfabrik: stetig mehr und schneller produzieren. Berichterstattung lässt sich aber nicht in ein Billiglohnland auslagern und nur beschränkt automatisieren. Denken braucht Zeit.

Das Glück der WOZ ist es, dass wir nicht für den Gewinn anderer arbeiten müssen. Wir sind nur uns und unseren LeserInnen verpflichtet. Aber auch unsere Mittel sind beschränkt. Darum haben wir seit einem Jahr überlegt und diskutiert, wie wir unsere bescheidenen Ressourcen noch besser einsetzen könnten. Das Resultat halten Sie in Händen: Die neue WOZ ist vierfarbig, elegant und klar – und etwas anders aufgebaut. Das Layout ist im Haus, in einem demokratischen Prozess, entwickelt worden. Neu hat die WOZ nicht mehr vier, sondern zwei Bünde, am Seitenumfang wird sich jedoch nichts ändern. Das Zweibundkonzept bringt den Vorteil, dass die verschiedenen Ressorts in den grösseren Bünden flexibler zusammenarbeiten können.

Als weitere grosse Neuerung beginnen wir den zweiten Bund mit einem dreiseitigen Thema: spannende Reportagen, kritische Recherchen oder auch einmal ein Essay. Vor allem erhält an dieser Stelle das Bild einen besonderen Auftritt. In einer Zeit, in der die Artikel immer kürzer und knapper werden, verstehen wir diesen Thema-Teil auch als Bekenntnis zu einem leidenschaftlichen Journalismus.

Inhaltlich bleiben wir die WOZ, die wir sind: links, frech, fundiert, unabhängig, engagiert, mit pointierten Kommentaren. An den Textlängen soll sich nicht viel ändern. Den einzelnen Ressorts werden gleich viele Seiten zur Verfügung stehen wie bis anhin.

Die Umbaukosten sind durch Rückstellungen finanziert worden. Die WOZ baut weder Leistungen noch Personal ab und wird weiterhin von rund fünfzig MitarbeiterInnen gemacht.

An dieser Stelle ein grosses Dankeschön unseren treuen AbonnentInnen, den grossen und kleinen InserentInnen und ganz besonders auch dem Förderverein ProWOZ. Ihnen allen verdanken wir die unbezahlbare Freiheit, mit Leidenschaft und Spass das tun zu dürfen, was uns wichtig erscheint. Merci!

Herzlich willkommen in der neuen WOZ

Es ist nicht zu übersehen: Die WOZ ist frisch gestaltet. Daneben gibt es aber auch einige Änderungen, die vielleicht nicht sofort auffallen. So werden auf der letzten Seite der WOZ wechselnde IllustratorInnen unter dem Titel «Die Welt in tausend Jahren» jeweils vier Folgen zeichnen. Wir danken den bisherigen ZeichnerInnen Andy Fischli, Samuel Jordi, Laura Jurt und Pierre Thomé.

Die Kolumne, die bisher auf Seite  2 war, erhält einen neuen Platz und einen neuen Namen: Im «Fumoir» auf Seite 4 ist neu Yusuf Yesilöz mit dabei. Der Schriftsteller wurde 1964 in Mittelanatolien geboren und lebt seit über zwanzig Jahren in der Schweiz. Pedro Lenz wird künftig in der neuen Sportkolumne «Fussball und andere Randsportarten» zu lesen sein. Dort wechselt er sich mit Etrit Hasler ab, slammender St. Galler Gemeinderat und seit langem WOZ-Mitarbeiter.

Die Kolumne «Kost und Logis» erscheint künftig zweiwöchentlich auf einer Seite mit dem KreuzWOZ und einem Nachruf, in der jeweils anderen Woche rücken wir eine Seite mit Sachbuchrezensionen ein. Wir danken Benjamin Shuler, der das «Kost und Logis»-Team verlässt. Schliesslich das Medientagebuch auf der letzten Seite: In den nächsten Monaten wird Medienjournalist Nick Lüthi für die WOZ die nationale und internationale Medienwelt beobachten, analysieren und kommentieren.

Ins Auge springen sicher die neu gestalteten Köpfe zu den Kolumnen, die von der Illustratorin Jeanette Besmer stammen.

Wir wünschen Ihnen viel Freude mit der neuen WOZ!

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