Nr. 21/2011 vom 26.05.2011

Zehn Menschen suchen Peer Gynt

Von Eva Pfister

Peer ist ein Lügner, ein Frauenheld, Abenteurer, Weltreisender und Karrierist. Aber Peer ist auch ein unsicherer alter Mann, der nicht weiss, was er von sich halten soll, und der vor dem Tod flieht, der ihm an jeder Ecke auflauert. «Peer Gynt» ist ein Drama von Henrik Ibsen, das immer wieder Theaterschaffende fasziniert hat, so auch den Schauspieler und Regisseur Peter Höner, der nun um diesen «norwegischen Faust» herum einen Roman geschrieben hat.

In «Gynt» sind zwei Inszenierungen des Dramas in Arbeit. Am Wiener Burgtheater probt Johanna die alte Solveig, die ihr Leben lang auf Peer gewartet hat, und ihn mit dem Satz empfängt: «Das Leben hast du mir zu einem schönen Lied gemacht.» Während die Burgschauspielerin mit dieser «gütigen» Frauenfigur Mühe hat, finden die Schweizer Schülerinnen eines Ibsen-Theaterprojekts diese unbedingte Liebe durchaus ansprechend, im Gegensatz zu ihren – teils schockierenden – ersten sexuellen Erfahrungen. Auch ihre Lehrerin Anita wird mit ihrer ersten Liebe konfrontiert, denn am Theaterprojekt nimmt ausgerechnet jener Felix teil, dem sie einst vorgetäuscht hat, sie sei eine höhere Tochter – wobei sie zu diesem Zweck sogar das Gartenhäuschen einer Villa in Beschlag nahm.

Zehn Personen und ihre Geschichten stellt Peter Höner in seinem neuen Roman vor, von jeder erzählt er aus einer anderen Perspektive und mit anderen Stilmitteln. Mit jedem Kapitel fügt sich ein Mosaiksteinchen ins Bild und steigert die Spannung. Die Bezüge zu «Peer Gynt» sind vieldeutig. Alle Beteiligten sind auf der Suche nach ihrer Identität, die Jüngeren nach Glück und einem Platz im Leben. Jakob hingegen wird mit dem Verlust seiner früheren Bedeutung als Zeitungsredaktor nicht fertig. Darum macht er bei einem Seniorenmusical mit und findet seine Eitelkeit im Theatermilieu gespiegelt. Dabei spart Höner nicht mit Satire, aber für die Sinnsuche seiner zehn «Gynt»-Abspaltungen bringt er viel liebevolle Einfühlung auf.

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