Nr. 10/2012 vom 08.03.2012

Eingesetzte

Auf eine polemische Breitseite der US-amerikanischen Gentechnologin Nina Federoff gegen den biologischen Landbau in der «NZZ am Sonntag» vom 26. Februar hagelte es in der Folgewoche LeserInnenbriefe. Kein Wunder, dass sich in die aus guten Gründen hochgehenden Emotionen ungefragt Buchstaben einschlichen: «Die Meinung von Nina Federoff, dass die Ernährung der Menschheit nur mit modernen Technologien und dem grossflächigen Anbau von Mais, Reis und Sonja möglich ist, widerspricht diametral dem Welt-Agrarbericht 2010.» Alle nicht geklonten Sonjas werden jetzt aufatmen; und die Ninas sollen ihre entsprechenden Gelüste bitte im Zaum halten.
Jürg Fischer

Zartschmelzende

«Model Anouk Manser zeigte sich am Wochenende von ihrer Schokoladenseite: An der Fashionshow des Dessous-Labels Beldona in Aarau machte die 23-Jährige zusammen mit ihren Model-Kolleginnen Lust auf sündige Teile für drunter.» Das stand in «20 Minuten» und wurde uns von Leser H. zugesandt, der gestand, etwas verwirrt zu sein. Wir schliessen uns an. Nach längeren Versuchen, unsere Fantasie ins Rollen zu bringen, stellen wir fest, die sündigen Teile zwicken bloss und die ganze Formulierung ist zu mindestens siebzig Prozent Kakao.
Jürg Fischer

Schmissige

Gewisse Vorgänge jenseits des Röstigrabens werden wir nie ganz verstehen, und wenn sich die NZZ, bezogen auf die Rempelei im Genfer Parlament, noch so Mühe gibt: «Auch in den Medien machte die Geschichte ihre Runde, wobei sie am Anfang etwas dramatischer tönte, als sie war, weil anhand der französischen Fassung nicht klar war, ob Stauffer ein Wasserglas oder ein Glas Wasser geworfen hatte (‹verre d’eau› kann beides bedeuten).» Es bleiben also auch in der deutschsprachigen Fassung Fragezeichen. Immerhin darf man davon ausgehen, dass das Glas vor dem Wurf halb voll, danach aber halb leer gewesen ist.
Jürg Fischer

Zupackende

Überhaupt pflegen les welsches einen eigenartigen Umgang mit Material, diesmal gemäss «Tages-Anzeiger»: «In der Romandie werden die Multis zwar schnell pauschal angeprangert. Viel mehr als mediales Geplänkel ist das aber nicht. Wenn es um die Wurst geht, werden die Box- gegen die Gummihandschuhe getauscht.» Unsereins würde Samthandschuhe bevorzugen, aber die Würste sind natürlich dort viel fetter.
Jürg Fischer

Klarsichtige

AutolenkerInnen, die gerne etwas schneller unterwegs sind, bietet sich dank «Nano Glas Versiegelung» endlich die Chance, auch zu sehen, wohin sie steuern, erfahren wir aus einer Werbemail. «Wasser, Öl, Schmutz perlen einfach ab. (…) Die Nano-High-Tech-Beschichtung für jedermann stellt alle bislang erhältlichen Regenabweiser weit in den Schatten. WOW!!! Was für ein Unterschied – schon ab 70 km/h freie Sicht.» Wer langsamer fährt, sollte sowieso aus dem Verkehr gezogen werden.
Karin Hoffsten

Lange

Die SBB versuchen, ihre Platzprobleme mit immer längeren Zugkompositionen zu lösen. Jetzt tönt es schon kurz nach der Abfahrt von Luzern aus dem Lautsprecher: «Dieser Zug endet in Zürich.» Wandererfahrene Fahrgäste gehen die Strecke inzwischen lieber gleich zu Fuss, weil es mühsam ist, sich bis zur Lok durchzudrängeln.
Karin Hoffsten

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