Nr. 14/2018 vom 05.04.2018

Von Karin Hoffsten

Scherzhafte

Als uns vom Aufschlag des Hintergrundbunds der österlichen «NZZ am Sonntag» die Schlagzeile «Journalismus – Die Qualität war nie besser» ansprang, trauten wir unseren Augen nicht. Vielleicht meinen sie ja uns, dachten wir schon errötend – bis wir unmittelbar daneben des Rätsels Lösung erblickten: Es war die Ausgabe vom 1. April.

Gärtnernde

Kein Aprilscherz dünkte uns hingegen ein Hinweis in der «SonntagsZeitung»: «Der Satireplatz am Sonntagabend überliess SRF dem TV-Dinosaurier Kurt Aeschbacher.» Sonst ausschliesslich als Pflanzenfresser bekannt, verschlang dieser Saurier hemmungslos alles an Scherz, Satire und Ironie, was auf besagtem Platz jemals mühselig gesprossen war. Ein inzwischen anderenorts hingesetztes Pflänzchen (interessierten Fachleuten als «Devillia Agota Dimeniae» bekannt) ist zwar hübsch anzuschauen, bekommt aber eindeutig zu wenig Wasser und Licht.

Wissenschaftliche

Vor den Feiertagen schickte der «Tages-Anzeiger» zwei Giganten österlicher Glaubensfragen zum Disput in den Ring. «Osterbrunch – ja oder nein?» lautete die Frage, die seit Jahrhunderten Theologen und Eierkocher bewegt. Des Befürworters Argumentation kulminierte in der rhetorischen Frage: «Würden Sie eine liebevoll zusammengestellte Käseplatte, mit Saiblingskaviar gefüllten Eiern, einem schaumigen Spargelsüppchen oder hausgebeizter Lachsforelle mit Dill-Senf-Sauce ablehnen, nur weil man sie Ihnen im Rahmen eines Brunchs anbietet?» Wir dachten lange nach und sind doch noch immer nicht zu einem Schluss gelangt: Müssen wir uns die gefüllten Eier, das Süppchen und die Lachsforelle als Bestandteile der Käseplatte vorstellen? Dann sollten sie aber zwingend höhlengereift sein.

Schwerwiegende

Die NZZ nahm das Ableben der Sängerin Lys Assia zum Anlass, einen Blick in die langjährige Geschichte des Eurovision Song Contest zu werfen, und ganz besonders ins Jahr 1956, als die Schweizer Künstlerin den Wettbewerb gewann: «Die Herren trugen weisse Smokings, ein kleiner Chor wog sich im Takt.» Die damals noch mit farbigen Tüllgirlanden verkleideten Personenwaagen wurden mit den Jahren sachlicher. Heute, im Zeitalter digitaler Gewichtsermittlung, wiegen sich alle MusikerInnen bereits hinter der Bühne. So müssen sie währenddessen auch keinen Takt mehr einhalten.

Einfältige

Unser immer aufmerksamer Leser T. staunte über einen Satz in der «Zeit»: «Unser Abteilungsleiter wurde zusammengefaltet.» Da es im Text um Arbeitsbedingungen bei der japanischen Post ging, lag eine Verbindung zur Kunst des Origami zwar im Bereich des Möglichen, doch diese Faltung ist der Übersetzung ins Deutsche geschuldet. So wie die Grundbedeutung «auf ein kleineres Format bringen» meint, kann man laut Duden «umgangssprachlich: jemanden massregeln, ausschimpfen». Ehrlich gesagt finden wir da einen beherzten Zusammenschiss sympathischer.

Hilfsbereite

Auf einem Plakat im Basler Trämli lasen wir: «Info Älterwerden weiss, wer beim Älterwerden hilft.» Also, wir hier in Zürich finden ja, dass wir das problemlos auch alleine schaffen.

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