Nr. 18/2018 vom 03.05.2018

Enthusiasmus und Scheitern

Der Roman «Schwirrflug» erzählt vom Einsatz der BrigadistInnen in den achtziger Jahren – aus der Perspektive von damals sowie von heute.

Von Rahel Locher

Ruth erschrickt, als Elsa den Stuhl krachend nach hinten fallen lässt und die Männer anschreit: Paul hat eine an Ruth gerichtete Frage an deren Stelle beantwortet. «Unter uns lasse ich mir das nicht gefallen», kritisiert Elsa Pauls patriarchales Verhalten. «Unter uns», das sind die BrigadistInnen, die in den achtziger Jahren nach Nicaragua reisten, um die sandinistische Befreiungsbewegung FSLN zu unterstützen. Diese hatte im Sommer 1979 die langjährige Diktatur der Somoza-Familie gestürzt und gesellschaftliche Umwälzungen eingeleitet.

Mit Paul, Ruth sowie deren Mann Markus stellt die Autorin Regula Portillo drei fiktive SchweizerInnen in den Mittelpunkt ihres Romans «Schwirrflug», die, begeistert vom revolutionären Prozess, nach Nicaragua reisen. Den anfänglichen Enthusiasmus trüben bald nicht nur Widersprüche innerhalb der Bewegung, sondern auch die Angriffe der vom US-Geheimdienst CIA unterstützten Contras, die etwa 60 000 Menschenleben forderten.

Welche Konsequenzen dies für das Engagement von Markus und Ruth hat, verdeutlicht sich am Ende des Buchs. Alma und Judith, die Töchter des Paars, reisen dreissig Jahre nach dem Einsatz ihrer bereits verstorbenen Eltern nach Nicaragua. Portillo erzählt abwechselnd aus Almas und Ruths Perspektive und lässt die Zeitebenen ineinanderfliessen. Dabei macht sie die in praktische internationale Solidarität mündende Aufbruchstimmung unter europäischen Linken spürbar, greift das Scheitern von revolutionären Entwürfen auf und holt durch die Sichtweise von Alma die Fragen ihrer Eltern in die Gegenwart.

Veranstaltungen mit der Autorin in Solothurn am Fr, 11. Mai 2018, um 11 Uhr und um 17.30 Uhr, am Sa, 12. Mai 2018, um 12.30 Uhr und am So, 13. Mai 2018, um 14 Uhr.