Nr. 23/2018 vom 07.06.2018

Die elterliche Obhut

Von Karin Hoffsten

Wann ist ein Kind ein Sorgenkind? Wenn es etwa nicht richtig isst, stelle ich mir als Nichtmutter vor, oder mit drei Jahren noch kein Wort spricht. Oder wenn es sich den Arm bricht oder – was jenes Wesen, an das ich nicht glaube, verhüten möge – an einer schweren Krankheit leidet. Oder wenn es heimlich Fliegen die Beine ausreisst, Frösche aufbläst, bis sie platzen, und seinen Gschpänli immerzu ein Bein stellt. Ein Kind kann auf viele Arten zum Sorgenkind werden.

«Tut das Kind etwas Schlimmes, dann schauen viele auf die Eltern», schrieb der «Blick am Abend», listete lustvoll «Prominente und ihre Sorgenkinder» auf und handelte sich mit der namentlichen Nennung eines prominenten Vaters und von dessen Sohn prompt Ärger ein (vgl. «Hetzjagd statt Journalismus»). «Er ist nicht das einzige Problemkind anderer bekannter Väter und Mütter», hiess es über den Sohn, was zugleich auf die undurchschaubaren Familienverhältnisse bei Prominenten hinweist.

Eines dieser Problemkinder soll «am G20-Gipfel randaliert» haben, ein anderes hat einem Regierungsrat ein Glas Bier über den Kopf geschüttet, statt es selbst zu trinken, ein drittes fuhr sein Auto an die Wand. Und zwei Problembrüder wurden auf dem Zürcher Koch-Areal gesehen, dessen touristische Qualitäten kürzlich sogar in «mobil», dem Magazin der Deutschen Bahn, gelobt wurden. Eigentlich müssten alle in ein strenges Internat, doch da sie auf die dreissig zugehen, nimmt sie keines mehr.

Nun frage ich mich, wann endlich jemand die Eltern von Yannick Buttet, René Rindlisbacher, Marcel Ospel und vielen anderen zur Rechenschaft zieht.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch