Nr. 42/2018 vom 18.10.2018

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Rückwärtsgewandte

Die WOZ berichtete letzte Woche von der geplanten Umbenennung eines Platzes in Neuenburg von Espace Louis Agassiz in Espace Tilo Frey, da besagter Agassiz nicht nur als Naturforscher eine rühmliche, sondern auch als Rassist eine unrühmliche Seite hatte. Dass wir seine Lebensdaten mit 1907–1873 statt mit 1807–1873 angaben, ist wissenschaftlich eher fragwürdig, hat aber die Fantasie einiger unserer LeserInnen angeregt. Stellvertretend die von Leser C.: «Agassiz mit gerechnetem Alter von minus 34 Jahren gebührt die Benennung eines Meeresgrabens im Toten Meer.»
Jürg Fischer

Übergenaue

Ebenfalls in der WOZ stand, die geplante Gletscherinitiative wolle «fossile Kohlenstoffe ab der Jahrhundertmitte ganz verbieten», worauf Leser B. fragte, wer den Kohlenstoffen in Gruben und Bohrlöchern denn dann zurufen würde: «Hallo Jungs, ihr seid jetzt verboten, verpisst euch!» Die entsprechenden Boten müssen die Kohle fördernden Länder natürlich selbst wählen. In der Schweiz dürfte es reichen, das Einfuhrverbot beim Zoll durchzusetzen. 
Karin Hoffsten

Abschüssige

«So steil wie nirgends in Euorpa», titelte die «Berner Zeitung». Es ging um eine Postautostrecke zur Griesalp im Berner Oberland. Uns Flachlandeiern vergeht nur schon vom Lesen Hören und Sehen. 
Jürg Fischer

Präpositionale

Der Umgangston zwischen Cockpit und Kontrollturm sei häufig rüde, berichtete der «Tages-Anzeiger» und zitierte ein Beispiel: «In einem Video von 2016 erkundigt sich etwa ein Pilot im Anflug beim Lotsen (…) über die Flughöhe.» Vermutlich rief darauf der genervte Lotse: «‹Nach› der Flughöhe musst du fragen, du Depp!» 
Karin Hoffsten

Aufgedeckte

«Mysterium um Maya König ist gelüftet», lasen wir auf nau.ch. Es stellte sich dann heraus, dass Frau König seit 1500 Jahren tot ist, gar keine Frau war und lieber «Maya-König» genannt worden wäre.
Karin Hoffsten

Leserliche

Im «Bund» hiess es: «‹Da ist immer noch viel Unesco drauf›, sagte Gemeinderat Reto Nause sichtlich.» Der Berner Sicherheitsdirektor ist ja seit Jahren bei Freund und Feind als «Sprechblasennause» bekannt. 
Karin Hoffsten

Schauspielerische

«Diesen Job (…) wird ein Schritt auf eurem Paarweg darstellen», hielt die Sexberaterin im «Blick am Abend» fest. Wir ergänzen gern, dass im ehelichen Zusammenleben manch ein Schritt die grosse Bühne sucht, während andere an kurzen Scharaden Gefallen finden. 
Karin Hoffsten

Verwirrte

Über die Entlassung des «Spiegel»-Chefredaktors berichtete das Medienportal «Meedia»: «In der Redaktion zwar beliebt, aber ohne fassbares Profil, blieb das Blatt in den rund dreieinhalb Jahren seiner Amtszeit zu oft unter seinen Möglichkeiten, war vor allem die Markenführung wie das Einzelverkauf am Kiosk so wichtige Magazin-Cover ohne Konturen oder eine erkennbare Handschrift.» Zuweilen bleibt die gesamte Branche unter ihren Möglichkeiten. 
Karin Hoffsten

woznews@woz.ch

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