Nr. 13/2010 vom 01.04.2010

Niederschläge

Von Stephan Pörtner

Im Regen schwang etwas, das die Menschen wider alle Gewohnheit zuversichtlich werden liess. Statt sich über nasse Füsse, aufgeweichte Hüte und den Zwang, in unvorteilhafter, wasserdichter, aber atmungsaktiver Kleidung durchs Leben zu gehen, aufs Unergründlichste aufzuregen, sassen sie pflotschnass auf dem Trottoirrand und merkten, dass es auf der Welt doch viel besser war, als man es ihnen in den Nachrichten weismachen wollte. Nach einem Jahrhundert der unbedachten Sonnenglorifizierung, die zu einem verheerenden Stranddenken geführt hatte, sahen sie endlich ein, dass Niederschlag besser war, nicht zuletzt, weil die meisten zu Hause blieben und jene, die sich nach draussen wagten, alsbald ersoffen.

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