Nr. 41/2015 vom 08.10.2015

Zwölf Männer und zwei grosse Lieben

Monique Schmitters autobiografisch gefärbte Schilderungen von Liebesbeziehungen wirken manchmal trivial und manchmal wunderbar.

Von Eva Pfister

In diesem Buch stecken mindestens zwei spannende Romane. Zwar sind es zwölf Episoden, zwölf Lieben, benannt nach Aposteln, von denen die Ich-Erzählerin berichtet und über die sie philosophiert. Da aber einige dieser Männergeschichten ziemlich konstruiert wirken, so, als sollte das Dutzend vollgemacht werden, bleiben nach der Lektüre vor allem zwei wunderbar erzählte Geschichten im Gedächtnis haften. Die Autorin Monique Schwitter hätte diesen gerne mehr Raum geben können.

Da ist die Geschichte ihrer ersten grossen Liebe: Petrus. Er ist gross gewachsen, wirkt stets souverän und kommt aus reichem Elternhaus. Während die Freunde bei einem Silvesterausflug in den Bergen vor dem kalten Heimweg zittern, trinkt er ganz entspannt einen vierten Kafi Lutz und verrät dann, dass er ein Taxi bestellt habe. Im Vergleich zu ihm wirkt die Ich-Erzählerin extrem hilflos. Sie ist in geliehenen, drückenden Seehundfellstiefeln losmarschiert und schliesslich in Socken durch den Schnee gestapft. Nun sitzt sie mit halb erfrorenen Füssen da und wartet schicksalsergeben auf den weiteren Verlauf des Abends.

Wie die ungleiche Beziehung endet, verrät Monique Schwitter erst am Ende von «Eins im Andern». Der Roman beginnt damit, dass sie von Petrus’ Tod erfährt. Es war Selbstmord, und die Erzählerin erinnert sich, dass er mehrmals andeutete, dass er «gehen» wolle. Gern hätte man mehr über ihn erfahren, aber er verschwindet aus dem Männerreigen, sein Bruder Andreas taucht auf, später sein Freund Simon, und dazwischen Episodenfiguren wie Nathanael, mit dem sie durch den Wald stapft auf der Suche nach einer Esche, die als Grabstätte für seine Eltern auserkoren wurde – ein schönes, absurd-witziges Kapitel, das Monique Schwitter auch beim diesjährigen Wettlesen um den Bachmann-Preis in Klagenfurt vorgetragen hat.

Eigentlich geht es aber um Philipp. Mit ihm ist die Ich-Erzählerin verheiratet, mit ihm hat sie zwei Buben, ihn liebt sie – und mit ihm hat sie die grössten Probleme. Hat er doch nicht nur sein gesamtes Geld sowie die Sparbücher der Kinder verzockt, sondern zusätzlich noch Tausende Euro, die er sich von Verwandten und Bekannten ausgeliehen hatte.

In dieser Krisensituation beginnt die Ich-Erzählerin, über die Männerbeziehungen ihres Lebens nachzudenken und die Geschichte ihrer zwölf Apostel aufzuschreiben. Sie ist Schriftstellerin, kommt aus Zürich und lebt in Hamburg – wie Autorin Monique Schwitter auch, die in dem Buch offensichtlich mit autobiografischen Elementen spielt. Manche der Geschichten wirken auch authentisch, während andere aus irgendeinem Trivialroman stammen könnten.

Die These der immer gleichen Liebe, die sich nur verschiedene Objekte aussucht, überzeugt aber weder psychologisch noch als roter Faden. Dagegen wäre Philipp, dieser sympathische Spielsüchtige, der in einer Familie aufwuchs, in der man gerne alles Unangenehme verdrängte, der ideale Protagonist eines weiteren Romans.

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