Nr. 43/2017 vom 26.10.2017

Genug ist genug

Von Stephan Pörtner

Der Anspruch, sich auch noch im letzten Lebensdrittel für das Neue zu interessieren, empfand er zusehends als Belastung. Der in den Patientenwunschkonzerten am Radio unerlässliche Zusatz, die 94-Jährige interessiere sich noch immer aktiv für das Weltgeschehen, liess ihn verzweifeln. Dieses Interesse war ihm nämlich bereits in der Lebensmitte abhandengekommen, und wenn er auch nicht damit rechnete, ein hohes Greisenalter zu erreichen, grauste ihm bei der Vorstellung, noch jahrzehntelang den geradezu fanatischen Willen seiner Generation, den Anschluss nicht zu verpassen und jede Trendkasperei mutwillig mitzumachen, vordergründig gutheissen zu müssen, um nicht aufgrund seines Längstgesättigtseins, das als Ewiggestrigkeit ausgelegt wurde, zu vereinsamen.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Die WOZ hat eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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