Nr. 23/2018 vom 07.06.2018

Lesezeit: Dreiminuten, ei, ei, ei!

Ruedi Widmer über Fallschirmjäger, Pflaumenbürger und günstige Sondersettings

Von Ruedi Widmer

SVP-Nationalrat und Fallschirmjäger Adrian Amstutz hat wieder eine seiner bei Linken und Linksbürgerlichen zu Recht gefürchteten Standpauken gehalten. Diesmal gegen die Weicheier in den Zivildiensten.

Doch viele dieser Männer haben Amstutz’ Worte aufgesogen, auch wenn sie es aus politischer Korrektheit niemals zugeben würden: Endlich setzt sich mal jemand für sie ein. Sie hoffen nun insgeheim, auch in Altersheimen, in Kinderhorten und anderen Weicheier-Einrichtungen die Waffe tragen zu dürfen. Es wird gerade im Zivilleben zu wenig geschossen, und man sollte die Schiessereien nicht nur den Islamisten und den White Supremacists überlassen; auch und vor allem der normale Steuerzahler hat ein Anrecht darauf.

Das ist ja der Grund, weshalb sich immer mehr Menschen nicht mehr ernst genommen fühlen von der Politik. So vieles wird nur noch getan für die Minderheit der «Speziellen»: teure Integrationsmassnahmen, Sondersettings, Terrorabwehrkommandos, mehr Kontrollen an den Flughäfen, Polizeiaufgebote für Fussballrowdys, Fernsehsendungen wegen des Islam und vieles mehr.

Auch Otto Normalverbraucher würde sich mal ein Polizeiaufgebot oder ein Sondersetting wünschen, vielleicht auf das 25-Jahr-Dienstjubiläum oder zu einem runden Geburtstag. Wurde er je gefragt? Was ist mit den Gefängnissen? Teure Riesenbauten für Bösewichte, die im Leben noch nie etwas Sinnvolles geleistet haben. War je ein unbescholtener Bürger im Gefängnis? Als Irrtum vielleicht, aber sonst wird er von der Justiz wie Luft behandelt. Bomben sind zwar illegal, aber wenn ein Terrorist sie hat, ist das plötzlich normal und sogar einen Bericht in der Zeitung wert. Wann kommen die normalen Leute mal in den Medien vor? Richtig: bei den Todesanzeigen. Früher wurden sie noch in den «Samschtig-Jass» eingeladen. Heute nur noch ins Internet. Oder die Menschenrechte: All die Flüchtlinge haben schon mindestens die Hälfte der Menschenrechte aufgebraucht. Und just dann, wenn der Bürger sie mal braucht, zum Beispiel, wenn er mal etwas gesagt hat, was der Obrigkeit oder den Frauen nicht passt, sind die Menschenrechte alle weg, und es liegen nur noch ein paar Brösmeli da. Und man bekommt eine Busse, obwohl man das ganze Leben Steuern bezahlt hat. Und da sollen nur Terroristen Waffen haben dürfen?

Eben, Adrian Amstutz hat schon ein bisschen recht. Wir haben uns selber zu Weicheiern gemacht. Der übertriebene Friede der Nachkriegszeit (nur wegen ein bisschen Vogelschiss), die Achtundsechziger, die linken Komfortzonen, der linke Konsum. Warum fährt Amstutz einen neuzeitlichen Wagen, der bestimmt bequeme Sitze hat? Warum fährt er überhaupt Auto, eine Gehhilfe für Leute, deren Muskeln zu wenig trainiert sind? Warum marschiert er nicht von Spiez nach Bern? «Die Zeit, voller Terminkalender!» Nein, weil er zusammenbrechen würde, die Pflaume.

Die Pflaumenbürger brauchen das Militär, um zwei Wochen lang hart zu tun, damit sie nachher den anderen «Weichei» nachrufen können. Die persönliche Fitness und der Spass mit der Waffe stehen im Vordergrund der Landesverteidigung. Auch zwei Wochen ehefraufrei, kinderfrei, arbeitsfrei. Günstige Last-Minute-Sondersettings sind also möglich; es muss nicht gleich so teuer werden wie im Fall «Carlos».

Das geht aber auch nur, weil das Militär ohne geldverschlingende Sozialarbeiter auskommt. Im Militär gibt man sich mit Feldweibel, Küsche, der Ruag und den Kameraden zufrieden. Das einfache, nicht kostenorientierte Leben ohne individualistische Auswüchse. Man stelle sich vor, die Armee würde bei den Steuerzahlern die hohle Hand machen, zum Beispiel für auf jede einzelne Person zugeschnittene geschlechtergetrennte Kleider in verschiedenen Farben. Für ein Kulturprogramm in den Kasernen. Für Soldatenhorte, damit faule Soldaten nicht aufs Feld müssen. Die Anspruchshaltung muss aufhören. Bei der Armee hat sie zum Glück gar nie begonnen.

Ruedi Widmer ist Dreiminutenei in Winterthur.

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