Nr. 39/2010 vom 30.09.2010

Blindpassagiere

Von Stephan Pörtner

Im Zug von Frühtau nach Abendrot stiess man sich die Zwischenverpflegung in die fliegenden Rippen, weil die Ausflugszeit an diesem Montag offiziell eingeschossen worden war. Da wollte niemand zu Hause bleiben, und viele, die es vielleicht gewollt hätten, waren von entschlosseneren Bezugspersonen mitgezerrt worden. Überzählige Blindpassagiere wie Eisenbahnschaffner und Billettkontrolleure warf man schon vor dem ersten Etappenziel aus dem Fenster, denn heute wollte man unter sich bleiben. Es würde für viele der schönste Tag des Jahres werden, weil sich kurz darauf beim Herumgondeln schon wieder die Routine breitmachen würde. Heute aber gereichte schon der lindeste Vorhügel zum Highlight der Saison.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

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