Nr. 18/2012 vom 03.05.2012

Sonnig geht die Welt zugrunde

Von Stephan Pörtner

Wenn Tschümperlin etwas aufregte, so war es schönes Wetter. Nicht nur, weil es mit aufdringlicher Helligkeit und widerlichen Blautönen einzukehren pflegte. Das Schlimmste daran war die dümmliche Verzückung, die es hervorrief. Die Fantasielosen und Unreflektierten und sogar Leute, von denen Tschümperlin mehr erwartet hätte, quakten vor Vergnügen wie ein ganzer Froschteich, sobald der Himmel seiner natürlichen und segensreichen Wolken- oder Nebelschichten entbehrte. Nicht einmal die Erkenntnis, dass die Welt am schönen Wetter zugrunde gehen würde, mochte den Enthusiasmus dämpfen. Tschümperlin war ein einsamer Rufer in der Wüste, jenem Schönwetterlandstrich, dem die giftigsten Tiere sowie die Stadt Los Angeles entsprungen waren.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

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